- Für rund 500 Euro bekommst du 2026 meist nur das leere Gehäuse mit zwei Einschüben – die Festplatten kosten wegen einer aktuellen Preiskrise oft mehr als das NAS selbst.
- Synology deckt das Einsteigersegment mit DS224+, DS225+ und dem günstigeren DS223j ab; QNAP TS-264, Asustor Drivestor 2 Gen2 und TerraMaster F2-425 sind die wichtigsten Alternativen im gleichen Preisbereich.
- Die gefürchtete Synology-Festplattensperre für fremde Festplatten ist seit Oktober 2025 wieder aufgehoben – ein Punkt, zu dem online noch viele veraltete Warnungen kursieren.
- Ein NAS ohne VPN und aktuelle Firmware direkt ins Internet zu hängen, ist bei jedem Hersteller riskant – nicht nur bei dem einen, der zuletzt in den Schlagzeilen stand.
Was 500 Euro 2026 tatsächlich bedeuten
Ein NAS (Network Attached Storage, also ein Speicher, der fest am Netzwerk hängt und von mehreren Geräten gleichzeitig erreichbar ist) für unter 500 Euro klingt nach einem klaren Budget. Nur bezieht sich diese Zahl in der Praxis inzwischen fast ausschließlich auf das leere Gehäuse – ohne Festplatten. Seit Ende 2025 sind die Preise für Festplatten durch die massive Nachfrage von KI-Rechenzentren stark gestiegen, teils um fast 100 Prozent. Ein 16-Terabyte-Modell, das vor Kurzem noch etwa 211 Euro kostete, liegt inzwischen bei rund 380 Euro. Hersteller wie Western Digital und Seagate haben einen Großteil ihrer Produktion an Großkunden aus dem Rechenzentrums-Geschäft gebunden, eine Entspannung wird laut Marktbeobachtern frühestens Mitte 2027 erwartet.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Wer heute ein 2-Bay-NAS (ein Gehäuse mit zwei Einschüben für Festplatten) für 350 bis 500 Euro kauft, sollte für zwei Festplatten mit brauchbarer Kapazität nochmal ein ähnlich großes Budget einplanen. Ein „NAS unter 500 Euro“ ist deshalb streng genommen ein Gehäuse unter 500 Euro – der Rest kommt obendrauf.
Die Auswahl im Einsteigersegment
Synology deckt mit den 2024/2025er-Plus-Modellen das Einsteiger- bis Mittelklassesegment ab: die DS224+ als Nachfolger der DS220+, die günstigere DS223j sowie die 2025 eingeführte DS225+, die mit einem Straßenpreis von 354,90 Euro klar unter der 500-Euro-Grenze bleibt. Die größere DS425+ mit vier Einschüben liegt im Leergehäuse mit etwa 530 Euro knapp darüber. QNAP positioniert das TS-264 als gehobene Einsteigerklasse um die 500-Euro-Marke – mit x86-Prozessor, einem schnelleren 2,5-Gigabit-Netzwerkanschluss und einem PCIe-Steckplatz (eine Erweiterungsbucht im Gehäuse, über die sich etwa eine schnellere Netzwerkkarte nachrüsten lässt), was für diesen Preis ungewöhnlich viel Erweiterbarkeit bietet.
Im unteren Budgetbereich bedient Asustor mit dem Drivestor 2 Gen2 (AS1202T) – nach aktuellem Stand das Einstiegsmodell der Marke, ob inzwischen ein Nachfolger erschienen ist, ließ sich nicht abschließend klären – das Preiseinstiegssegment, allerdings mit einem ARM-Prozessor – einer stromsparenden, aber im Vergleich zu klassischen PC-Prozessoren (x86) deutlich schwächeren Chip-Architektur, die etwa beim Umwandeln von Videos (Transcoding) schnell an ihre Grenzen stößt. TerraMaster setzt beim F2-425 (rund 459 Euro) dagegen auf einen Intel Celeron N5095 – also einen waschechten x86-Prozessor – und bietet damit spürbar mehr Rechenleistung fürs Geld als Asustor im gleichen Preisband. Unsicher ist allerdings, ob TerraMasters Firmware-Pflege inzwischen an das Niveau von Synology oder QNAP herangekommen ist; dazu ließ sich keine verlässliche aktuelle Einschätzung finden. Seit 2023/2024 mischt zudem Ugreen mit der NASync-Reihe mit, die auf ein eigenes Betriebssystem namens UGOS setzt. Im Budgetbereich unter 500 Euro liegen dort die Einsteigermodelle DH2300 und DH4300 Plus – mit moderner Hardware wie DDR5-Speicher, aber einem softwareseitig noch jüngeren, weniger ausgereiften Ökosystem als Synologys DSM.
| Modell | Bays | CPU | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Synology DS225+ | 2 | x86 (Intel Celeron) | 354,90 € im Leergehäuse, DSM-Software |
| Synology DS224+ | 2 | x86 (Intel Celeron) | Vorgänger-Generation der DS225+ |
| Synology DS223j | 2 | ARM | Günstigste Synology-Variante |
| QNAP TS-264 | 2 | x86 | 2,5-GbE-Netzwerk, PCIe-Steckplatz, NVMe-Unterstützung |
| Asustor Drivestor 2 Gen2 | 2 | ARM/Realtek | Günstigste Option, wenig Rechenleistung |
| TerraMaster F2-425 | 2 | x86 (Intel Celeron) | Mehr Leistung fürs Geld, Softwarepflege unsicher |
| Ugreen NASync DH2300 | 2 | – | Ca. 190 €, eigenes System UGOS |
Synology DS225+ 2-Bay Diskstation NAS
Bleibt als Leergehäuse klar unter der 500-Euro-Grenze und ist damit der naheliegende Einstieg ins Thema dieses Artikels.
Was du für unter 500 Euro nicht bekommst
Erstens: keine schnelle Rechenleistung, wenn du zur ARM-Variante greifst. Modelle wie der Asustor Drivestor 2 Gen2 reichen zum Ablegen und Teilen von Dateien, stoßen aber bei rechenintensiven Aufgaben wie dem Umwandeln von Videos in Echtzeit schnell an ihre Grenzen. Zweitens: keine großzügige Kapazität von Anfang an – Festplatten kosten aktuell so viel, dass viele Käufer erstmal mit kleineren oder gebrauchten Platten starten. Drittens: kaum Erweiterungsspielraum. Nur wenige Modelle in dieser Preisklasse, etwa das QNAP TS-264, bieten einen PCIe-Steckplatz für spätere Aufrüstungen. Und viertens: unbegrenzte Software-Unterstützung über die gesamte Lebensdauer. Mit Synologys DSM 7.3 (veröffentlicht im Oktober 2025) haben Geräte der J- und Plus-Serie bis Baujahr 2019 ihr letztes großes Funktionsupdate erhalten; künftige Hauptversionen dürften sie nicht mehr bekommen, Sicherheitsupdates laufen aber weiter. Die im Juni 2026 veröffentlichte DSM 7.4 wurde immerhin breiter ausgerollt als zunächst erwartet – nahezu alle Modelle, die DSM 7.3 unterstützten, bekommen sie ebenfalls.
Der Mythos von der Festplattensperre
Ein Punkt, der in vielen älteren Foren-Beiträgen noch als Warnung steht, aber überholt ist: Im April 2025 hatte Synology bei neuen 2025er-Plus-Modellen die Nutzung von Festplatten anderer Hersteller in sogenannten Storage-Pools (dem eigentlichen Speicherverbund des NAS) eingeschränkt – mit Warnhinweisen und teilweisem Funktionsverlust. Das sorgte für viel Unmut und Presse-Echo. Mit DSM 7.3 im Oktober 2025 hat Synology diese Sperre für die 2025er Plus- und J-Serie wieder komplett aufgehoben: Festplatten und SATA-SSDs anderer Hersteller lassen sich seither wieder uneingeschränkt nutzen. Eine Ausnahme bleiben M.2-Speicherkarten, für die weiterhin nur zertifizierte Laufwerke in Storage-Pools zugelassen sind, sowie die für Firmen gedachten Enterprise-Serien. Wer also aktuell recherchiert und noch auf Warnungen zur Festplattensperre stößt, sollte das Datum der Quelle prüfen – Stand Sommer 2026 ist das Thema für die gängigen Einsteigermodelle erledigt.
Sicherheit ist keine Kür, sondern Pflicht
QNAP hatte 2024 und 2025 mehrere kritische Sicherheitslücken (unter anderem als CVE geführt, also öffentlich registrierte und nummerierte Schwachstellen) sowie im Dezember 2025 einen öffentlich gewordenen Sicherheitsvorfall, bei dem eine Gruppe namens „KaruHunters“ Datendiebstahl behauptete. QNAP selbst nannte als Ursache schwache Passwörter und Geräte, die direkt und ungeschützt über eine Portweiterleitung aus dem Internet erreichbar waren. Das ist kein Einzelfall und kein reines QNAP-Problem, sondern ein wiederkehrendes Muster bei NAS-Systemen generell: Wer sein Gerät ohne Schutz ans offene Internet hängt, riskiert genau solche Vorfälle – unabhängig vom Hersteller. Für ein NAS unter 500 Euro gilt deshalb wie für teurere Modelle: Fernzugriff nur über ein VPN (ein verschlüsselter Tunnel ins Heimnetz, statt das NAS direkt offen ins Internet zu stellen), Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren und die Firmware – egal ob Synologys DSM, QNAPs QTS oder das System eines anderen Herstellers – aktuell halten.
Fazit
Unter 500 Euro bekommst du 2026 ein solides Gehäuse mit brauchbarer Software – bei Synology und QNAP inzwischen sehr ausgereift, bei Ugreen und TerraMaster mit etwas mehr Restrisiko bei Software-Reife und -Pflege. Was du nicht automatisch bekommst, ist ausreichend Speicherplatz zum gleichen Budget: Die Festplatten sind derzeit der teurere Teil der Rechnung. Plane das von Anfang an mit ein, statt dich nur am Gehäusepreis zu orientieren.