- Ein Backup ist eine zusätzliche, räumlich getrennte Kopie deiner Daten. RAID, Cloud-Sync (Dropbox, OneDrive & Co.) und NAS-Snapshots zählen nicht dazu.
- Merkregel für den Anfang: 3-2-1 – drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medientypen, davon eine außer Haus.
- Ein solides erstes Setup: eine, besser zwei rotierende externe USB-Festplatten plus ein Ziel außer Haus, etwa Cloud-Speicher.
- Ein Backup, das noch nie zurückgespielt wurde, ist kein Backup. Durchläufe überwachen und den Restore testen.
Der Moment, in dem man ein Backup schmerzlich vermisst, kommt selten angekündigt: eine versehentlich gelöschte Ordnerstruktur, eine defekte Platte, Erpressungssoftware (Ransomware), die Dateien verschlüsselt und Lösegeld fordert. Wer das erste Backup einrichten will, steht vor vielen Begriffen und Produkten. Diese Anleitung führt Schritt für Schritt durch die Grundlagen – ohne dass du dafür Profi sein musst.
Was ein Backup ist – und was nicht
Ein Backup ist eine eigenständige Kopie, die auch dann noch existiert, wenn das Original weg ist. Drei verbreitete Dinge erfüllen das nicht:
RAID ist kein Backup
RAID fasst mehrere Festplatten zu einem Verbund zusammen und hält den Betrieb aufrecht, wenn eine Platte ausfällt. Das ist Verfügbarkeit, kein Schutz vor versehentlichem Löschen, Dateibeschädigung, Ransomware, Diebstahl, Feuer, Überspannung, Bedienfehlern oder einem Defekt von Controller oder Dateisystem. Ein gelöschter Ordner ist auf allen Platten im Verbund gleichzeitig gelöscht.
Cloud-Sync ist kein Backup
Dienste wie Dropbox, OneDrive, Google Drive, iCloud oder Nextcloud spiegeln einen Ordner zwischen Geräten. Löschst oder verschlüsselst du eine Datei, wird genau das mitsynchronisiert. Papierkorb und Versionshistorie reichen oft nur rund 30 Tage zurück. Wie schmal der Grat ist, zeigte Ende 2023 ein Fehler in der Google-Drive-Desktop-App: Bei Betroffenen verschwanden hochgeladene Dateien; ein Reparaturweg kam erst mit einer späteren Version.
Snapshots allein sind kein Backup
Schnappschüsse (Snapshots) von Dateisystemen wie Btrfs oder ZFS frieren einen Stand ein, den man später zurückholen kann. Sie liegen aber auf demselben Speicher-Pool wie die Originaldaten und sind mit dem Gerät verloren, wenn das NAS (Network Attached Storage, ein Speicher, der am Netzwerk hängt) stirbt oder gestohlen wird. Ein Snapshot wird erst durch Replikation auf ein getrenntes Ziel zum Backup.
Die 3-2-1-Regel
Die Faustregel stammt vom Fotografen Peter Krogh aus „The DAM Book“ (2005/2009) und ist seither Branchenstandard; auch die US-Behörde CISA nennt sie als Basisempfehlung. Sie lautet:
- 3 Kopien der Daten – das Original plus zwei Backups.
- 2 verschiedene Medientypen – zum Beispiel eine interne Platte und eine externe USB-Festplatte oder Cloud-Speicher.
- 1 Kopie außer Haus (offsite), damit Feuer, Einbruch oder Blitzschlag nicht alles auf einmal treffen.
Gegen Ransomware wird die Regel oft zu 3-2-1-1-0 erweitert, so seit etwa 2020 von Veeam propagiert: zusätzlich eine Kopie offline bzw. unveränderbar (immutable) – für einen festgelegten Zeitraum gegen Löschen gesperrt, auch für Administratoren –, und „0″ steht für null Fehler, also einen regelmäßig getesteten Restore. Die alte Regel ist damit nicht veraltet, sondern ergänzt. Ein einzelnes Backup reicht nach 3-2-1 ausdrücklich nicht.
Schritt 1: Entscheiden, was gesichert wird
Zuerst die unersetzlichen Dinge: Dokumente, Fotos, E-Mail-Archive, Passwort-Datenbank, Konfigurationsdateien. Ein Betriebssystem lässt sich neu aufsetzen, deine Urlaubsfotos nicht. Wenn Platz und Zeit es zulassen, kommt später ein komplettes System-Image – ein Abbild der ganzen Platte – dazu.
Schritt 2: Das erste, lokale Backup
Der günstigste Einstieg ist eine externe USB-Festplatte. Zwei Regeln dazu:
- Nicht dauerhaft angesteckt lassen. Ransomware, Blitz und Überspannung treffen verbundene Ziele mit. Mindestens eine Kopie muss zeitweise physisch getrennt sein. Ideal sind zwei Platten, die du abwechselnd nutzt und eine davon woanders lagerst.
- Nicht auf eine zweite Partition derselben Platte. Bei einem physischen Defekt ist dann alles gleichzeitig weg.
Software für das lokale Backup:
- Windows: Veeam Agent for Microsoft Windows FREE ist kostenlos, sichert einzelne Dateien oder ein ganzes Volume-Image und erstellt ein bootfähiges Wiederherstellungsmedium; Ziel ist eine externe Platte oder ein NAS-Share. Es gilt als praktischer Nachfolger von Macrium Reflect Free, das zum 1.1.2024 eingestellt wurde und keine Updates mehr bekommt. Der eingebaute Windows-Dateiversionsverlauf sichert nur Nutzerordner; die neuere „Windows Backup“-App zielt vor allem auf OneDrive-Sync und ist kein vollständiges System-Image.
- macOS: Time Machine sichert inkrementell auf eine USB-Platte (im Format APFS) oder ein SMB-NAS. Achtung bei macOS Tahoe (2025): Neue Time-Machine-Backups über AFP-Netzwerkfreigaben oder eine alte Time Capsule sind nicht mehr möglich, das Netzwerkziel muss SMB sprechen.
- Auf einem NAS: Synology Hyper Backup schreibt versioniert und mit Integritätsprüfung vom NAS auf USB, ein zweites NAS oder in die Cloud. Active Backup for Business ist auf Synology-Geräten kostenlos und sichert Windows-PCs, Server und VMs zentral aufs NAS.
WD 4 TB Elements AE Tragbare Externe Festplatte
Eine schlichte externe USB-Platte zum Anstecken ist der klassische Einstieg ins erste lokale Backup – am besten gleich zwei Stück zum Rotieren. 161,99 € (Stand 01.09.2026).
Schritt 3: Die Kopie außer Haus
Für „offsite“ gibt es drei praktikable Wege: Cloud- bzw. Object-Storage, ein zweites NAS bei Freunden oder Familie, oder eine Transportplatte, die du regelmäßig rotierst – nur mit fester Rotation und getestetem Restore; eine einmal weggelegte Platte im Schließfach reicht nicht.
Alles, was das Haus verlässt, sollte vor dem Hochladen verschlüsselt werden – „client-seitig“ oder „Zero-Knowledge“, das heißt der Anbieter bekommt nur unlesbare Daten. Den Schlüssel bzw. das Passwort getrennt sichern, sonst ist das Backup im Ernstfall wertlos.
Verbreitete Werkzeuge dafür sind restic, BorgBackup, Kopia und Duplicati. Alle können Deduplizierung – gleiche Datenblöcke werden nur einmal gespeichert – und Verschlüsselung. Kopia und Duplicati bringen eine grafische Oberfläche mit und sind damit einsteigerfreundlich; Duplicati ist seit Januar 2025 (Version 2.1) erstmals als „stable“ eingestuft, die frühere Warnung „nur Beta“ ist überholt. Borg ist in der Serie 1.4.x stabil (2.0 ist seit Jahren Beta und laut Projekt nicht für Produktivdaten geeignet). rclone transportiert zu über 70 Cloud-Diensten und verschlüsselt mit dem Modul „crypt“ – ist aber ein Kopierwerkzeug, kein versioniertes Backup.
Wer gar kein NAS hat und es maximal einfach will: Backblaze Personal Backup kostet 99 USD pro Jahr und Rechner (Stand 2025), sichert unbegrenztes Volumen, läuft aber nur unter Windows und macOS – nicht für NAS oder Linux.
Cloud- und Offsite-Ziele im Überblick
| Dienst | Preis (Recherchestand) | Zu beachten |
|---|---|---|
| Backblaze Personal Backup | 99 USD/Jahr pro Rechner (2025) | unbegrenztes Volumen; nur Windows/macOS, kein NAS/Linux |
| Backblaze B2 (Object Storage) | 6 USD/TB/Monat, erste 10 GB gratis (2025) | S3-kompatibel; Herunterladen bis zum 3-fachen des gespeicherten Volumens gratis, danach 0,01 USD/GB |
| Wasabi Hot Cloud Storage | ca. 6,99 USD/TB/Monat (2025) | keine Gebühren fürs Herunterladen, solange der Download das Speichervolumen nicht übersteigt; 90 Tage Mindestspeicherdauer; mind. 1 TB Abrechnung |
| AWS S3 Glacier Deep Archive | ca. 1 USD/TB/Monat (2025) | 180 Tage Mindestspeicherdauer; Abruf kostet extra und dauert Stunden |
| Synology C2 Backup | 2 TB 99,99 USD/Jahr; EU-Beispiel 1 TB 59,99 €/Jahr (2025) | feste Speicher-Kontingente |
| iDrive Personal | 5 TB ca. 69,66 USD im 1. Jahr, danach ca. 99,50 USD/Jahr (2025) | Aktionspreis im ersten Jahr |
| Hetzner Storage Box | 1 TB ca. 3,20 €/Monat, 5 TB ca. 10,90 €/Monat (Recherchestand, unsicher) | EU-Anbieter; Zugang per SFTP/SMB/WebDAV/rsync/BorgBackup/rclone; Snapshots inklusive |
Preise und Bedingungen ändern sich hier regelmäßig – Backblaze, Dropbox und Amazon haben ihre Konditionen in der Vergangenheit teils deutlich angepasst, Amazon Drive wurde Ende 2023 ganz abgeschaltet. Die Hetzner-Angaben oben entsprechen dem Recherchestand und sind nicht sauber belegt; vor dem Kauf die aktuelle Preisliste prüfen.
Schritt 4: Versionen aufheben und Backups sperren
Ransomware oder schleichende Datei-Beschädigung fällt oft erst Wochen später auf. Deshalb sollte das Backup mehrere Stände über Wochen bis Monate vorhalten, nicht nur den letzten. Zusätzlich hilft Unveränderbarkeit: Object Lock bzw. WORM (Write Once Read Many) sperrt Sicherungen für einen definierten Zeitraum gegen Löschen – auch wenn ein Angreifer Admin-Rechte erlangt. Object-Storage wie Backblaze B2 oder Wasabi bietet das, ebenso Synology mit WriteOnce-Ordnern und Immutable Snapshots ab DSM 7.2 (Mai 2023). Ein Snapshot allein ist nicht ransomware-sicher – nur mit Immutable-Option und/oder Replikation auf ein getrenntes System.
Schritt 5: Testen und überwachen – die „0″
Ein einmal eingerichtetes Backup läuft nicht von selbst für immer korrekt. Ohne Überwachung bleiben stille Fehler – volle Platte, abgelaufenes Passwort, kaputter Job – unbemerkt, bis man die Daten braucht. Praktisch heißt das: Benachrichtigung bei fehlgeschlagenen Durchläufen einrichten, regelmäßig einzelne Dateien probeweise zurückholen und mindestens einmal den kompletten Ernstfall durchspielen.
Wenn schon ein Homelab läuft
Für virtuelle Maschinen und Container unter Proxmox gibt es den Proxmox Backup Server mit Deduplizierung und inkrementellen Sicherungen; seit Version 3.3 auch mit Wechseldatenträger-Datastores für rotierende Offline-Medien. TrueNAS (ZFS) kombiniert Snapshots mit „zfs send“-Replikation auf ein zweites TrueNAS und Cloud-Sync-Aufgaben über rclone.
Kurz: die häufigsten Denkfehler
- „RAID ersetzt ein Backup.“ – Nein, RAID ist nur Ausfallsicherheit.
- „OneDrive/Dropbox ist mein Backup.“ – Löschungen werden mitsynchronisiert.
- „Ein Backup reicht.“ – 3-2-1 verlangt zwei, davon eines außer Haus.
- „Das dauerhaft angesteckte USB-Backup genügt.“ – Eine Kopie muss getrennt sein.
- „Einmal eingerichtet, läuft für immer.“ – Ohne Testrestore weißt du nicht, ob es funktioniert.
Fang klein an: eine externe Platte, ein automatischer Job, ein zweites Ziel außer Haus. Das deckt die 3-2-1-Regel ab und ist unendlich viel besser als der Zustand, in dem die meisten stecken – gar kein Backup.