Immich statt Apple Fotos: Die eigene Fotobibliothek im Homelab

Das Wichtigste in Kürze

  • Immich ist eine quelloffene, selbstgehostete Foto- und Videoverwaltung mit eigenen Apps für iPhone und Android — der direkteste Ersatz für Apple Fotos oder Google Fotos.
  • Seit Version 2.0 vom Oktober 2025 gilt Immich offiziell als „stable“. Die jahrelange Warnung „nicht produktionsreif, rechne mit Fehlern“ auf der Projektseite ist gestrichen.
  • Plane rund 6 GB Arbeitsspeicher ein (8 GB empfohlen) und mindestens zwei Prozessorkerne. Eingerichtet wird Immich per Docker Compose.
  • Die Nutzung ist kostenlos und ohne Funktionssperren. Zahlen ist freiwillig: einmalig 100 US-Dollar pro Server oder 25 US-Dollar pro Person.

Wer viel fotografiert, kennt das Spiel: Die 5 GB, die Apple kostenlos in der iCloud bereitstellt, sind nach ein paar Monaten voll, danach läuft ein monatliches Abo. Immich statt Apple Fotos heißt, die komplette Fotobibliothek auf den eigenen Server im Homelab zu holen — mit automatischem Handy-Backup, intelligenter Suche und Gesichtserkennung, aber ohne fremde Cloud und ohne laufende Gebühr.

Immich statt Apple Fotos – was die Software leistet

Immich ist Open Source (der Programmcode ist öffentlich einsehbar) und läuft auf deiner eigenen Hardware. Der Funktionsumfang zielt klar auf den Alltag mit Apple Fotos:

  • Automatisches Backup vom Handy über native Apps für iOS und Android — neue Fotos landen ohne Zutun auf dem Server.
  • Semantische Suche („Smart Search“) auf Basis von CLIP: Du tippst „roter Regenschirm im Schnee“ und bekommst passende Bilder, ohne je ein Stichwort vergeben zu haben.
  • Gesichtserkennung mit Gruppierung nach Personen sowie Dubletten-Erkennung.
  • Geteilte Alben und Unterstützung für RAW (das Rohformat der Kamera), HEIC (Apples platzsparendes Foto-Format) und Live Photos.
  • Externe Bibliotheken: bestehende Ordner einbinden, ohne die Dateien hochzuladen — auf Wunsch nur lesend. Auf Netzlaufwerken erkennt Immich neue Dateien meist nicht automatisch, dann hilft ein regelmäßiger Rescan.
  • Textsuche in Bildern (OCR), seit Version 2.2.0 vom Oktober 2025. Offiziell für Englisch, Chinesisch und Japanisch; lateinische Schriften werden nur eingeschränkt unterstützt.

Zur Einordnung der Kosten: Apple gibt 5 GB iCloud-Speicher gratis dazu, danach kostet iCloud+ in der Eurozone 0,99 € für 50 GB, 2,99 € für 200 GB und 9,99 € für 2 TB pro Monat (größere Stufen gibt es darüber, geteilt mit bis zu sechs Personen). Eine Fotobibliothek sprengt die 5 GB schnell, ein unbegrenztes Gratis-Kontingent in Originalqualität gibt es bei Apple nicht.

Von der Dauerbaustelle zum stabilen Release

Lange trug die Immich-Website den Hinweis, das Projekt sei „under very active development“, man solle mit Breaking Changes und Fehlern rechnen — also mit Änderungen, die eine bestehende Installation beim Update aus dem Tritt bringen. Das ist vorbei: Version 2.0.0 erschien am 2. Oktober 2025 als erste offiziell stabile Ausgabe. Seitdem nutzt Immich semantische Versionierung — Versionsnummern nach festem Schema, bei dem die erste Zahl nur bei grundlegenden Umbauten springt. Änderungen, die manuelle Eingriffe verlangen, kommen nur noch bei solchen Hauptversionen (2.0, 3.0 …). Immich zählt mit über 100.000 GitHub-Sternen zu den populärsten Self-Hosting-Projekten überhaupt.

Freiwillig zahlen, nichts gesperrt

Hinter dem Projekt steht seit Mai 2024 die gemeinnützige Organisation FUTO; das Kernteam arbeitet seither in Vollzeit an Immich. Ein Verkauf oder geschlossene Bezahlfunktionen sind damit nicht verbunden — der Code bleibt unter der AGPL, einer Open-Source-Lizenz, und zwar ohne Contributor-Vereinbarung. Seit Juli 2024 gibt es ein freiwilliges Bezahlmodell: 100 US-Dollar einmalig für einen ganzen Server oder 25 US-Dollar einmalig für eine einzelne Person. Es gibt keinen Bezahlzwang und keine Funktionssperren für Nicht-Zahler. Der Kauf-Hinweis in der Oberfläche taucht erst bei Konten auf, die älter als 14 Tage sind, und lässt sich dauerhaft ausblenden.

Version 3: neue Technik für die KI-Suche

Die aktuelle Hauptversion ist v3.0.0 (2026). Sie tauscht die Datenbank-Erweiterung für die KI-Suche aus: Statt pgvecto.rs ist jetzt VectorChord Pflicht — laut Projekt schneller und sparsamer beim Arbeitsspeicher. Wer von einer älteren Version kommt, muss diesen Wechsel beim Update einplanen; die alte Einstellung wirft nun einen Fehler. Für große Sammlungen ebenfalls wichtig: 2025 hat das Team die Handy-Synchronisation komplett neu geschrieben („Sync v2″). Die Daten werden nun in kleinen Häppchen aus der Datenbank gestreamt statt komplett in den Speicher geladen. Das behebt lange Ladezeiten, ruckelnde Ansichten und leerlaufende Akkus bei Bibliotheken mit 100.000 und mehr Fotos.

Was du an Hardware brauchst

Die Dokumentation nennt als Minimum 6 GB RAM (Arbeitsspeicher; 8 GB empfohlen) und 2 Prozessorkerne (4 empfohlen). Mit nur 4 GB läuft Immich lediglich dann, wenn man die KI-Funktionen — Gesichtserkennung und semantische Suche — abschaltet. Seit v3 verlangt der KI-Container auf gängigen Intel-/AMD-Systemen außerdem die Prozessor-Stufe „x86-64-v2″; praktisch alle CPUs ab etwa 2012 erfüllen das.

Offiziell unterstützt ist die Einrichtung per Docker Compose — ein Werkzeug, das mehrere zusammengehörige Programme mit einer einzigen Textdatei startet. Von anderen Wegen wie Kubernetes oder automatischen Update-Diensten (Watchtower) rät das Projekt wegen möglicher Breaking Changes ausdrücklich ab.

Zwei Punkte helfen bei der Hardware-Wahl:

  • Hardware-Transcoding — das Umrechnen von Videos übernimmt die Grafikeinheit statt des Hauptprozessors — läuft nur unter Linux (oder Windows über WSL2, dort ohne Quick Sync). Unterstützt werden u. a. Intel Quick Sync (in vielen Intel-Prozessoren eingebaute Grafik), Nvidia NVENC und VAAPI für AMD. Gegenüber der reinen Prozessor-Variante werden die Dateien allerdings größer und die Qualität etwas geringer.
  • Der KI-Container lässt sich auf ein separates Gerät auslagern („Remote Machine Learning“). Genau das wird auf einem Raspberry Pi oft nötig, weil Gesichtserkennung und Smart Search viel RAM und Rechenleistung ziehen — die Vorstellung, ein Pi stemme Immich samt KI mühelos komplett allein, stimmt so nicht.

Ein verbreiteter, sparsamer Immich-Host ist ein kleiner Intel-Mini-PC mit N100- oder N150-Prozessor und eingebauter Grafik für Quick Sync.

Unsere Empfehlung

Beelink S12 Pro Mini PC, Intel Alder Lake-N100 Prozessor (bis zu 3.60GHz) 25W TDP Mini Computer, 16GB RAM 500GB SSD Office Mini Desktop PC Windows 11 Home, 4K Dual HDMI, WiFi 6, BT5.2, RJ45 2.5G

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Ein sparsamer Mini-PC mit Intel-N100 und 16 GB RAM — das liegt über Immichs empfohlenen 8 GB, und die eingebaute Intel-Grafik kann das im Artikel beschriebene Hardware-Transcoding übernehmen. Rund 359 € (Stand 06.09.2026).

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Umzug von der iCloud zu Immich

Der Weg führt über eine Datenkopie: Auf privacy.apple.com forderst du eine Kopie deiner iCloud-Fotos an. Bei großen Bibliotheken kann Apple dafür mehrere Tage brauchen. Anschließend lädst du die Fotos mit immich-go hoch — einem Kommandozeilen-Werkzeug (Bedienung per Texteingabe) aus der Community, kein offizielles Immich-Tool. Mit der Option --icloud versteht es die Struktur der Apple-Datenkopie, mit --memories lassen sich die „Erinnerungen“ als Alben übernehmen. Alternativ holt das Tool icloudpd die Bibliothek direkt aus der iCloud.

Immich ist kein Backup

Immich sagt das selbst deutlich und empfiehlt eine 3-2-1-Strategie: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, eine davon außer Haus. Das Programm legt zwar automatisch Datenbank-Sicherungen an (Standard: täglich um 02:00 Uhr, die letzten 14 werden aufbewahrt, einstellbar unter Administration › Settings › Backup). Aber: Diese Sicherung enthält nur Metadaten und Pfade, keine Fotos oder Videos. Zum Wiederherstellen brauchst du die Datenbank-Sicherung und die Originaldateien aus dem Upload-Verzeichnis. Das Zurückspielen geht über die Weboberfläche oder die Kommandozeile; vorher legt Immich automatisch einen Wiederherstellungspunkt an.

Grenzen: Verschlüsselung und Login-Schutz

Zwei Dinge kann Immich nicht: Es verschlüsselt die Medien nicht Ende-zu-Ende (also so, dass nur deine Geräte sie lesen können und der Server nie den Klartext sieht), und es bringt keinen eingebauten zweiten Faktor beim Login mit — kein Zahlencode aus einer App. Einen zweiten Faktor bekommst du nur vorgelagert über einen Reverse-Proxy (einen vorgeschalteten Server, der alle Anfragen entgegennimmt) mit Authelia oder einen OIDC-Anmeldedienst. In der Vergangenheit wurden Sicherheitslücken gefunden und in Updates behoben (etwa CVE-2025-43856 zum OAuth-Login) — ein Grund, Immich aktuell zu halten, aber eben von Hand statt per Auto-Updater.

Zum Vergleich: Apple bietet mit „Advanced Data Protection“ eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auch für iCloud-Fotos an — sie ist aber standardmäßig aus und muss von Hand aktiviert werden; geteilte Alben bleiben außen vor. Wer Verschlüsselung an die erste Stelle setzt, schaut sich besser Ente Photos an: die einzige der großen Optionen mit echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, als Abo oder selbst gehostet.

Die Alternativen im Überblick

Lösung Auto-Backup per App KI-Suche Ende-zu-Ende Passt zu
Immich Ja (iOS/Android) Ja (Suche, Gesichter, OCR) Nein direktester Apple-Fotos-Ersatz
PhotoPrism Nein — keine native App mit Hintergrund-Sync Ja (Katalog/Indexing) Nein bestehende Ordner-Archive; gilt als ressourcenschonender
Ente Photos Ja – Ja Verschlüsselung zuerst
Nextcloud Memories über die Nextcloud-App eingeschränkt Nein wenn Nextcloud ohnehin läuft
Synology Photos Ja Ja (lokal) Nein an Synology-Hardware gebunden

Fazit

Immich ist 2026 der naheliegende Weg, die eigene Fotobibliothek ins Homelab zu holen: ausgereift, mit echten Handy-Apps und einer Suche, die im Alltag mit der von Apple und Google mithält. Der Preis dafür ist Verantwortung — für Updates, vor allem aber für ein Backup nach dem 3-2-1-Prinzip. Ein Hinweis noch zum iOS-Backup: Ob die App im Hintergrund sichert, entscheidet iOS selbst. Immich kann das begünstigen (App oft öffnen, Hintergrundaktualisierung an, Stromsparmodus aus), aber nicht erzwingen. Wer diese Punkte übernimmt, zahlt für seine Fotobibliothek künftig einmalig Strom und Festplatte statt monatlich iCloud.

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