GPU an eine VM durchreichen: Wann Passthrough klappt – und wann nicht

Das Wichtigste in Kürze

  • GPU-Passthrough über VFIO/IOMMU gibt eine Grafikkarte exklusiv an eine virtuelle Maschine (VM) weiter – seit Treiber 465.xx (2021) funktioniert das auch mit normalen Nvidia-GeForce-Karten.
  • Nicht jede Generation ist gleich zuverlässig: Nvidias RTX-40-Serie gilt als stabil, die neue RTX-50-Serie (Blackwell) hat einen bislang ungelösten Reset-Bug.
  • Wollen sich mehrere VMs eine GPU teilen, braucht es SR-IOV oder vGPU – bei Nvidia offiziell nur auf teuren Datacenter-Karten, bei Intels neuen Arc-Pro-Karten schon für unter 500 US-Dollar.
  • Nicht jede NAS (Network Attached Storage, also ein Speicher, der am Netzwerk hängt) kann das: Synology bietet gar kein GPU-Passthrough, QNAP nur auf wenigen Modellen mit bestimmten AMD-Karten.

Eine Grafikkarte direkt an eine virtuelle Maschine durchzureichen klingt nach einem exotischen Kunststück – ist im Homelab aber längst Alltag: fürs Transcoding von Videos in Jellyfin oder Plex, für lokale KI-Modelle oder für eine Windows-VM zum Spielen. Die Technik dahinter heißt GPU-Passthrough, und sie funktioniert inzwischen deutlich besser als noch vor ein paar Jahren. Trotzdem gibt es klare Grenzen, je nach Hersteller, Kartengeneration und Hypervisor.

Was GPU-Passthrough überhaupt macht

Normalerweise teilt sich eine VM Hardware-Ressourcen mit dem Host-System, dem eigentlichen Server, auf dem der Hypervisor (die Software, die VMs verwaltet, etwa Proxmox) läuft. Bei GPU-Passthrough ist das anders: Die Grafikkarte wird komplett an eine einzige VM durchgereicht, ohne dass der Host noch darauf zugreifen kann. Möglich macht das VFIO (Virtual Function I/O) zusammen mit IOMMU (Input-Output Memory Management Unit) – vereinfacht gesagt eine Technik, die dafür sorgt, dass die VM direkt und ohne Umweg über eine Emulationsschicht mit der Hardware spricht. Bei Intel-Prozessoren heißt die zugehörige CPU-Funktion VT-d, bei AMD AMD-Vi. Seit Kernel-Version 6.8 ist IOMMU auf Intel-Systemen sogar standardmäßig aktiviert, der früher nötige Boot-Parameter intel_iommu=on entfällt dort.

Nvidia: erlaubt, aber nicht jede Generation gleich gut

Lange Zeit hatten Nvidia-GeForce-Karten eine eingebaute Bremse: Sobald der Treiber erkannte, dass er in einer VM lief, verweigerte er mit „Fehlercode 43“ den Dienst. Das war Absicht – Nvidia wollte damit sein teureres Profi-Segment (Quadro, Tesla) schützen. Seit Treiber 465.xx im Jahr 2021 ist diese Sperre offiziell gefallen, die früher nötigen Tricks zum Verstecken der VM sind seither meist überflüssig.

Doch „geht grundsätzlich“ heißt nicht „geht bei jeder Karte gleich gut“. Die RTX-40-Serie (Ada Lovelace) gilt 2025 als zuverlässige Wahl für Passthrough. Mit der RTX-50-Serie (Blackwell, ab Januar 2025) tauchte dagegen ein neuer Fehler auf: RTX 5090 und RTX PRO 6000 hängen sich nach einem VM-Reset komplett auf, nur ein Neustart des gesamten Hosts hilft. Nvidia hat im Sommer 2025 sogar eine öffentliche Prämie von 1.000 US-Dollar für einen Fix ausgeschrieben – ein vollständiger, offizieller Fix stand zuletzt aber noch aus, nur eine Abmilderung über einen angepassten Proxmox-Kernel war verfügbar. Wer 2025/2026 eine neue Karte fürs Homelab plant, sollte das einpreisen.

Beliebt für lokale KI-Modelle sind gebrauchte Tesla-Karten wie die P40 (24 GB, Pascal-Architektur, Baujahr 2016), die derzeit für etwa 180–250 US-Dollar zu bekommen ist, oder die noch günstigere M40 (ebenfalls 24 GB, Maxwell) ab rund 150 US-Dollar. Beide bieten viel Grafikspeicher fürs Geld, haben aber keine Tensor-Cores für beschleunigte KI-Berechnungen. Wichtig zu wissen: Nvidia beendet im Oktober 2025 den regulären Treibersupport für Maxwell-, Pascal- und Consumer-Volta-Karten – danach gibt es nur noch vierteljährliche Sicherheitsupdates, geplant bis Oktober 2028. Noch ältere Kepler-Karten (GeForce GTX 600/700, Titan) sind für Passthrough inzwischen faktisch tot, der Support lief bereits im September 2024 endgültig aus.

AMD: der Reset-Bug, der einfach nicht verschwindet

Bei AMD-Grafikkarten liegt das Problem woanders: Nach dem Herunterfahren einer VM oder beim Umschalten der Karte auf eine andere VM verweigert die GPU oft einen sauberen Reset (fachlich: Function Level Reset). Die Folge ist meist, dass der komplette Host neu gestartet werden muss, bevor die Karte wieder nutzbar ist. Die Community behilft sich mit dem Kernel-Modul-Workaround „vendor-reset“, der von Entwickler gnif gepflegt wird. Ganz gelöst ist das Problem damit nicht: Die neuesten RX-9000-Karten werden davon nicht abgedeckt. Wer auf „AMD ist inzwischen genauso stabil wie Nvidia“ hofft, wird also 2025/2026 noch enttäuscht.

Wenn sich mehrere VMs eine GPU teilen sollen

Reines Passthrough gibt eine Karte komplett an eine VM ab – für viele Homelabs reicht das nicht, etwa wenn mehrere VMs gleichzeitig von Hardware-Transcoding profitieren sollen. Dafür gibt es vGPU-Technik (virtuelle GPU), bei der sich mehrere VMs eine physische Karte teilen. Bei Nvidia ist das offiziell aber nur für teure Datacenter-Karten (Tesla, A-, L-, H-Serie) sowie ausgewählte RTX-Pro-Workstationkarten lizenziert. Die Community-Projekte vgpu_unlock und vgpu_unlock-rs hebeln diese Lizenzprüfung für gewöhnliche GeForce-Karten aus und funktionieren stabil bei Maxwell-, Pascal- und Turing-Architekturen, bei Ampere nur eingeschränkt. Bei der neuen Blackwell-Generation (RTX 50) scheitert das Projekt derzeit an fest deaktivierten Hardware-Sicherungen in der GPU-Firmware – das ist kein reines Lizenzproblem mehr, sondern eine technische Blockade. Rechtlich bleibt der Einsatz solcher Hacks zudem ein Graubereich, gerade außerhalb des reinen Homelab-Gebrauchs.

Hier hat Intel eine echte Alternative geschaffen: Die Arc-Pro-Karten der B-Serie (Battlemage-Architektur, Marktstart Q3 2025) unterstützen SR-IOV (Single Root I/O Virtualization) nativ und offiziell – eine physische Karte lässt sich in bis zu acht virtuelle Funktionen aufteilen, eine für den Host, sieben für Gäste. Vorher war diese Technik teuren Data-Center-GPUs vorbehalten, jetzt gibt es sie für unter 500 US-Dollar.

Unsere Empfehlung

Intel Arc Pro B50 16GB DDR6 PCIe5

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Anders als klassische Consumer-Grafikkarten unterstützt diese Karte SR-IOV offiziell, mit dem sich eine Karte auf mehrere VMs aufteilen lässt – genau der Anwendungsfall, um den es in diesem Artikel geht. Wie zuverlässig das mit Windows-Gast-Treibern läuft, ist bislang nicht klar belegt, gut getestet scheint es bislang vor allem unter Linux.

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Der Sonderfall NAS: nicht jedes Gerät kann das

Wer sein NAS (Network Attached Storage) auch virtualisieren will, sollte vorsichtig sein mit der Annahme, dass GPU-Passthrough dort automatisch mitläuft. Synology bietet in seinem Virtual Machine Manager grundsätzlich kein GPU-Passthrough an. QNAP unterstützt es in der Virtualization Station nur auf bestimmten Modellen (unter anderem TVS-x82, TS-1685, TES-x85U und der TS-x77-Serie), nur mit AMD-R7/RX-Grafikkarten und nur für Windows-Gäste. Für eigene, flexible Passthrough-Setups sind dedizierte Hypervisor-Systeme wie Proxmox nach wie vor die verlässlichere Basis.

Stolperfallen unter Proxmox VE 9

Die aktuelle Version von Proxmox, Proxmox VE 9 (erschienen im August 2025), läuft auf Kernel 6.14. Bei nicht wenigen Nutzern führt dieser neue Kernel zu Passthrough-Regressionen, darunter spürbare Performance-Einbrüche. Ein gängiger Workaround ist derzeit, gezielt auf Kernel 6.8 zurückzuwechseln. Wer Nvidia-vGPU-Setups plant, braucht zudem mindestens Treiber/GRID-Version 570.158.02 (Version 18.3) – ältere 15.x-Treiber sind mit Kernel 6.0 und neuer nicht mehr kompatibel.

Vergleich: Passthrough-Tauglichkeit im Überblick

Karte / Hersteller Passthrough-Tauglichkeit Besonderheit
Nvidia RTX 40 (Ada Lovelace) Zuverlässig Seit Treiber 465.xx ohne Error-43-Sperre
Nvidia RTX 50 (Blackwell) Noch nicht produktionsreif Ungelöster Reset-Bug, Host-Neustart nötig
Nvidia Tesla P40 / M40 Günstig für lokale KI-Modelle Kein Tensor-Core, Treibersupport läuft schrittweise aus
AMD Radeon (allgemein) Funktioniert, mit Einschränkung Reset-Bug, vendor-reset nötig, RX 9000 nicht abgedeckt
Intel Arc Pro B50 / B60 Für Multi-VM-Sharing geeignet SR-IOV nativ, bis zu 8 virtuelle Funktionen

Unterm Strich: Für eine einzelne VM mit exklusivem GPU-Zugriff ist Nvidia-Passthrough mit einer RTX-40-Karte oder älter (bis zu den auslaufenden Tesla-Modellen) heute unkompliziert. Sobald mehrere VMs sich eine Karte teilen sollen, wird es entweder teuer (Nvidia-Datacenter-Hardware), riskant (Community-Hacks) oder – seit Intels Arc-Pro-B-Serie – erstmals auch bezahlbar und offiziell unterstützt.

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