Wie viele Festplatten braucht mein NAS? RAID-Level verständlich erklärt

Das Wichtigste in Kürze

  • 2-Bay-NAS: nur RAID 1 sinnvoll (Spiegelung, 2 Platten). Ab 4 Bays wird RAID 5, RAID 6 oder Synologys SHR interessant.
  • RAID 5 braucht mindestens 3 Platten und verkraftet einen Ausfall, RAID 6 mindestens 4 Platten und verkraftet zwei gleichzeitige Ausfälle – bei großen Platten (ab ca. 12 TB) oder ab etwa 5 Einschüben empfehlen viele Quellen inzwischen grundsätzlich RAID 6.
  • RAID ist kein Backup. Es schützt nur vor dem Ausfall einzelner Platten, nicht vor Löschung, Ransomware, Diebstahl oder Feuer.
  • Nur CMR-Festplatten in RAID-Arrays verbauen. SMR-Platten brechen beim Rebuild in der Performance ein und gelten als ungeeignet.

Die Frage „RAID 5 oder RAID 6?“ oder „reichen mir zwei Platten?“ klingt nach Formalie, entscheidet aber darüber, wie viel nutzbaren Speicher man am Ende hat und wie sicher die Daten wirklich sind. Hier die Grundlagen, ohne Marketing-Sprech.

Warum überhaupt RAID?

RAID (Redundant Array of Independent Disks) verteilt Daten über mehrere Festplatten, sodass beim Ausfall einer Platte der Betrieb weiterläuft oder sich die Daten wiederherstellen lassen. Wichtig zu verstehen: RAID schützt ausschließlich vor Hardware-Defekten einzelner Platten. Löscht man versehentlich eine Datei, verschlüsselt Ransomware das Volume oder brennt das NAS ab, hilft RAID nicht – dafür braucht es ein separates Backup, idealerweise auf einem zweiten Gerät oder außer Haus.

Die RAID-Level im Überblick

Level Min. Platten Nutzbare Kapazität Ausfallschutz
RAID 0 2 100 % (alle Platten) keiner – ein Defekt zerstört alle Daten
RAID 1 2 50 % (1 Platte) 1 Plattenausfall
RAID 5 3 n −1 Platten 1 Plattenausfall
RAID 6 4 n −2 Platten 2 gleichzeitige Ausfälle
RAID 10 4 (gerade Zahl) 50 % 1 Ausfall pro Spiegelpaar, gute Performance

RAID 0 – nur für Spezialfälle

Striping ohne Redundanz. Volle Kapazität, aber fällt eine Platte aus, sind alle Daten weg. Für ein NAS mit wichtigen Daten ungeeignet – höchstens für Szenarien, in denen Geschwindigkeit zählt und die Daten ohnehin an anderer Stelle liegen.

RAID 1 – die Basis für 2-Bay-Geräte

Zwei Platten spiegeln sich gegenseitig. Von 16 TB Rohkapazität (2 × 8 TB) bleiben nutzbar 8 TB, dafür lässt sich eine defekte Platte tauschen, ohne dass Daten verloren gehen. Für ein 2-Bay-NAS ist das praktisch die einzige sinnvolle Option.

RAID 5 – der Klassiker ab 3 Platten

Verteilt Daten und Prüfsummen über alle Platten, sodass eine ausfallen darf. Nutzbare Kapazität: n−1 Platten. Bei drei 8-TB-Platten also 16 TB nutzbar statt 24 TB roh. Für kleinere Arrays mit 3–4 Platten und Kapazitäten bis etwa 8 TB pro Platte gilt RAID 5 weiterhin als vertretbar.

RAID 6 – mehr Sicherheit bei großen Arrays

Wie RAID 5, aber mit doppelter Parität: Zwei Platten dürfen gleichzeitig ausfallen. Kostet eine Platte mehr Kapazität als RAID 5 (n−2), ist dafür deutlich robuster. Der Grund, warum RAID 6 inzwischen häufiger empfohlen wird: Bei großen Platten – etwa ab 12 TB – dauert ein Rebuild nach einem Plattentausch je nach Kapazität viele Stunden bis mehrere Tage. Fällt in diesem Zeitfenster eine zweite Platte aus, ist bei RAID 5 das gesamte Array verloren. Bei Arrays ab etwa 5 Einschüben oder mit sehr großen Platten ist RAID 6 deshalb die vorsichtigere Wahl. Wichtig für die Einordnung: Die oft zitierte Panikrechnung über unkorrigierbare Lesefehler bei großen RAID-5-Arrays wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert, da reale Ausfallraten meist besser sind als der theoretische Worst Case. RAID 6 ab einer bestimmten Größe ist also eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme, kein physikalisches Muss.

RAID 10 – wenn Performance zählt

Kombiniert Spiegelung und Striping, braucht mindestens vier Platten (gerade Anzahl) und bietet gute Schreib-/Leseperformance bei solider Redundanz. Nachteil: Nur 50 % der Rohkapazität stehen zur Verfügung – teurer pro nutzbarem TB als RAID 5 oder 6.

SHR: Synologys Antwort auf gemischte Plattengrößen

Wer Platten nach und nach einzeln nachkauft, kennt das Problem: Klassisches RAID 5/6 rechnet immer mit der kleinsten Platte im Array und „verschenkt“ bei unterschiedlichen Kapazitäten Platz. Synology Hybrid RAID (SHR) löst das, indem es unterschiedlich große Platten effizienter kombiniert, bei gleichem Redundanzprinzip wie RAID 1/5/6 (ein- oder zweifache Ausfallsicherheit). Für Heimanwender, die ihr NAS über Jahre schrittweise aufrüsten, ist das der praxisrelevante Vorteil gegenüber klassischem RAID.

Wie viele Platten brauche ich wirklich?

  • 2-Bay-NAS: RAID 1, fertig. Alternativen ergeben in dieser Größenordnung kaum Sinn.
  • 4-Bay-NAS: RAID 5 (oder SHR mit einfacher Redundanz) für maximale Kapazität, RAID 6 (bzw. SHR mit zweifacher Redundanz) für mehr Sicherheit bei etwas weniger Platz.
  • Ab 5–6 Bays oder große Platten: RAID 6 wird zur sinnvollen Grundeinstellung, gerade weil Rebuild-Zeiten bei hohen Kapazitäten steigen.

CMR statt SMR – die wichtigste Kaufregel

Für RAID-Betrieb zählen nicht nur Anzahl und Level, sondern auch die Aufzeichnungstechnik der Platten selbst. SMR-Platten (Shingled Magnetic Recording) brechen bei anhaltender Schreiblast – wie sie bei einem RAID-Rebuild entsteht – stark in der Performance ein und gelten für NAS/RAID-Betrieb als ungeeignet bis riskant. CMR-Platten (Conventional Magnetic Recording) sind hier die sichere Wahl. Serien wie Seagate IronWolf (Pro), WD Red Plus/Pro und Toshiba N300 sind als CMR ausgelegt und gelten als Standardempfehlung. Vorsicht beim einfachen „WD Red“ ohne Plus/Pro-Zusatz: Der wurde in mehreren Kapazitäten als SMR ausgeliefert – vor dem Kauf die konkrete Modellnummer gegen die Herstellerlisten prüfen.

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CMR-Aufzeichnung, 7200 U/Min und 256 MB Cache – für RAID-Arrays mit regelmäßigen Rebuilds ausgelegt, inklusive Data Rescue Service.

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Alternativen zu klassischem RAID

Wer sich in Homelab-Kreisen umsieht, stößt schnell auf Unraid und ZFS. Unraid nutzt ein eigenes Array-Konzept ohne klassisches Striping: Einzelne Laufwerke bleiben auch einzeln lesbar, die Parität liegt separat – daneben unterstützt Unraid auch ZFS-Pools (RAIDZ1/2) für alle, die „echtes“ RAID-Verhalten wollen; beide Konzepte sind in Unraid getrennt und nicht 1:1 kombinierbar. TrueNAS setzt komplett auf ZFS mit RAIDZ1/RAIDZ2/RAIDZ3 – inklusive Checksummen und Self-Healing gegen stille Datenfehler, in Homelab-Kreisen als robustere Alternative zu klassischem Hardware-RAID geschätzt.

Die Lage 2026: Preise und Synology-Kompatibilität

Zwei aktuelle Entwicklungen sind für die Planung relevant. Erstens: Synology hatte bei den 2025er Plus-Serien-NAS ab April 2025 den vollen Funktionsumfang auf zertifizierte bzw. eigene Festplatten beschränkt – Drittanbieter-Platten konnten dann keine Storage Pools mehr anlegen. Nach heftiger Kritik hat Synology das mit DSM 7.3 im Oktober 2025 zurückgenommen, Drittanbieter-HDDs funktionieren bei den 2025er-Modellen wieder vollständig. Ob künftige Generationen erneut eine solche Sperre einführen, ist offen. Zweitens, und praktisch wichtiger: Der Speichermarkt steckt seit 2026 in einer handfesten Preiskrise, ausgelöst durch KI-Rechenzentren, die HDD- und SSD-Fertigungskapazitäten binden. Populäre NAS-Platten sind spürbar teurer geworden, und Hersteller reservieren einen Großteil ihrer Produktion für Enterprise-Kunden – eine Entspannung wird frühestens Mitte 2027 erwartet. Wer plant, sein NAS aufzurüsten oder ein größeres Array zu bauen, sollte das bei der Zeitplanung einkalkulieren.

Fazit

Für ein 2-Bay-NAS ist die Entscheidung einfach: RAID 1. Ab vier Einschüben lohnt sich der Blick auf RAID 5 vs. RAID 6 oder SHR – wobei RAID 6 bei großen Platten und größeren Arrays die vorsichtigere Wahl ist. Unabhängig vom Level gilt: RAID-Level richtig wählen, CMR-Platten verbauen und trotzdem ein echtes Backup einrichten. RAID ist Verfügbarkeit, kein Backup.

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