- Das UGREEN iDX6011 ist laut mehreren Tests das erste Consumer-NAS, das ab Werk ein lokales KI-Sprachmodell mitbringt. Die Hardware dafür (Intel Core Ultra 7, beworbene „96 TOPS“) ist stark.
- Der Aufpreis ist deutlich: Das technisch fast baugleiche UGREEN DXP6800 Pro ohne KI kostet rund 1.099 US-Dollar, das iDX6011 Pro hat eine UVP von 2.599 Euro.
- Die lokale KI ist langsam: in Tests rund 8 Token pro Sekunde, eine komplexe Sachfrage dauert lokal Minuten. Als ChatGPT-Ersatz taugt sie nicht.
- Fotosortierung, Gesichtserkennung und semantische Suche gibt es auch auf normalen NAS von Synology, QNAP & Co. – ohne KI-Aufpreis.
Ein KI-NAS ist ein NAS (Network Attached Storage, also ein Speicher, der am Netzwerk hängt) mit zusätzlicher Hardware und Software für künstliche Intelligenz direkt auf dem Gerät. Das UGREEN NASync iDX6011 ist derzeit das bekannteste Beispiel: Laut mehreren Tests ist es das erste Consumer-NAS, das ab Werk mit einem lokalen Sprachmodell ausgeliefert wird. UGREEN ist dabei ein junger Anbieter – erst seit 2024 im NAS-Markt, die KI-fokussierte iDX-Serie wurde im Januar 2026 auf der Messe CES vorgestellt. Die Frage dieses Artikels: Lohnt der Aufpreis gegenüber einem normalen NAS?
Was ein KI-NAS ausmacht – und was nicht
„KI-NAS“ ist eine Produktkategorie, die 2025/2026 entstanden ist. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen NAS: extra Rechenwerk und Software für KI-Aufgaben, die ohne Cloud auf dem Gerät laufen. Beim iDX6011 sind das eine NPU (Neural Processing Unit – ein Chip-Teil speziell fürs Rechnen von KI-Aufgaben) plus eine Intel-Arc-Grafikeinheit. UGREEN bewirbt „96 TOPS“ (Tera-Operations pro Sekunde, ein grobes Marketing-Maß fürs KI-Tempo). Wichtig zum Einordnen: Diese 96 TOPS stammen nicht von der NPU allein, sondern sind die Summe aus Hauptprozessor, Grafikeinheit und NPU. Womit genau gemessen wurde, legt UGREEN nicht offen. Die eigentliche Sprachmodell-Rechnerei läuft laut Tests überwiegend über Grafikeinheit und Prozessor.
Was im UGREEN iDX6011 steckt
Das iDX6011 Pro hat einen Intel Core Ultra 7 255H (16 Kerne, bis 5,1 GHz, rund 28-W-Klasse) und 64 GB Arbeitsspeicher vom Typ LPDDR5X – fest verlötet, also nicht aufrüstbar. Dazu kommt eine separate interne System-SSD (Berichten zufolge 128 GB, nicht durchgängig bestätigt). Es gibt sechs Einschübe für Festplatten oder SSDs (bis 196 TB brutto), zwei M.2-NVMe-Steckplätze, einen PCIe-Gen4-x8-Steckplatz und einen OCuLink-Port (ein Kabelstandard, um eine externe Grafikkarte anzuschließen). Bei den Anschlüssen: zwei 10-Gigabit-Netzwerkports (10GbE), zwei Thunderbolt 4, USB mit 10 Gbit/s, SD-Kartenleser und HDMI mit 8K. Vorn sitzt ein 3,7-Zoll-Touchdisplay, das die Auslastung von CPU, NPU, GPU und Arbeitsspeicher anzeigt. Gehäuse: mattgraues Aluminium, ca. 349 × 260 × 212 mm. Betriebssystem ist UGOS Pro, jüngste Firmware laut Hersteller 1.19.1.0126 vom 31.08.2026. Drei Jahre Garantie, fünf Jahre Sicherheitsupdates, Laufwerke sind nicht dabei.
Das kleinere iDX6011 ohne „Pro“ hat einen Core Ultra 5 125H (bis 4,5 GHz), „34 TOPS“, 32 oder 64 GB Speicher, aber kein Touchdisplay und keinen OCuLink-Port. Preise: 1.699 bzw. 1.999 US-Dollar. Ob die KI-Funktionen zwischen beiden Modellen wirklich identisch arbeiten, ist offen – TOPS-Zahl und freier Arbeitsspeicher unterscheiden sich deutlich.
| iDX6011 Pro | iDX6011 (non-Pro) | DXP6800 Pro (ohne KI) | |
|---|---|---|---|
| Prozessor | Intel Core Ultra 7 255H | Intel Core Ultra 5 125H | Intel Core i5-1235U |
| KI-Leistung (beworben) | „96 TOPS“ (CPU + iGPU + NPU) | „34 TOPS“ | keine dedizierte KI |
| Arbeitsspeicher | 64 GB LPDDR5X, verlötet | 32 oder 64 GB LPDDR5X | – |
| Touchdisplay | ja, 3,7 Zoll | nein | nein |
| OCuLink (externe GPU) | ja | nein | nein |
| Netzwerk | 2× 10GbE | keine Angabe | 2× 10GbE |
| Preis | UVP 2.599 Euro | 1.699 / 1.999 US-Dollar | ca. 1.099 US-Dollar |
Im Alltag: Strom, Lautstärke, Tempo
Die Messwerte zum iDX6011 Pro gehen bei der Leistungsaufnahme im Leerlauf auseinander: ComputerBase nennt 33,3 W mit geparkten Festplatten, andere Tests (HowToGeek, TechRadar) rund 67–68 W mit bestückten Platten – dieser Widerspruch ist nicht aufgelöst. Bei Schreibzugriff auf die Platten wurden 88,6 W gemessen, unter Rechenlast mit KI-Analyse bis zu 108 W. Lautstärke: etwa 39,8 dB im Silent-Modus mit aktiven Platten, rund 48 dB bei voller Lüfterdrehzahl. Über 10GbE erreichte das Gerät in Tests etwa 845 MB/s beim Lesen und Schreiben (1-GB-Datensatz) und rund 770 MB/s lesen / 810 MB/s schreiben bei einem 16-GB-Datensatz.
Was die lokale KI wirklich leistet
Auf beiden Modellen laufen dieselben KI-Funktionen: automatische Klassifizierung von Fotoalben, Transkription und Zusammenfassung von Sprachmemos auf dem Gerät, automatische Dateisortierung beim Hochladen, eine „Universal Search“ (konzeptbasierte Suche, also Suche nach Bedeutung statt nach exaktem Dateinamen) und ein Offline-KI-Chat-Assistent.
Beim Tempo wird es ernüchternd. In Tests kam das iDX6011 Pro mit dem Sprachmodell Qwen 3 auf rund 8,22 Token pro Sekunde (Token sind grob Wortbausteine, die das Modell ausgibt). Das Modell belegt dabei etwa 12 der 64 GB Arbeitsspeicher. In der Praxis dauerte eine Rezept-Generierung rund 2 Minuten 30 Sekunden; eine komplexe Sachfrage brauchte lokal „Minuten“, während ein Cloud-Dienst (Perplexity Pro) unter 10 Sekunden lag. Zum Vergleich: Ein PC mit dedizierter Grafikkarte (RTX 5090) schafft lokal 70–120 Token/s, ChatGPT und Claude liefern rund 50–100 Token/s.
Heißt konkret: Der lokale Chat-Assistent ersetzt ChatGPT nicht. Es laufen nur kleine, quantisierte (also geschrumpfte) Modelle. Der Vorteil ist nicht Tempo oder Klugheit, sondern dass die Daten das Gerät nicht verlassen. Ganz ohne Cloud geht es trotzdem nicht: Konto-Registrierung, Fernzugriff, Mobil-Benachrichtigungen und Updates laufen weiter über die UGREEN-Cloud.
Und ein verbreitetes Missverständnis: Für lokale Gesichts- und Szenenerkennung in Fotos braucht man kein KI-NAS. Synology Photos, QNAP QuMagie, TerraMaster und Asustor erledigen das lokal über den normalen Prozessor.
Der Aufpreis: wofür genau?
Das UGREEN DXP6800 Pro – der KI-lose Vorgänger mit Intel i5-1235U, ebenfalls zwei 10GbE-Ports und zwei Thunderbolt 4 – kostet rund 1.099 US-Dollar. Das iDX6011 Pro hat eine UVP von 2.599 Euro. Grob 1.500 US-Dollar Unterschied, und den zahlt man im Kern für die KI-Hardware und -Software. Die KI-Funktionen gibt es also nicht gratis obendrauf – sie sind der Preisunterschied.
Dazu die Marktlage: Seit 2025/2026 sind Arbeitsspeicher und SSDs stark teurer geworden, getrieben von der KI-Nachfrage. Gartner erwartet bis Ende 2026 rund 130 % kombinierten Preisanstieg bei DRAM und SSD gegenüber 2025; eine 1-TB-Consumer-SSD stieg von etwa 45 auf 90 US-Dollar, die Knappheit dürfte bis 2027/2028 anhalten. UGREEN stoppte im März 2026 die Vorbestellungen fürs iDX6011: Der ursprünglich versprochene 30-Prozent-Kickstarter-Rabatt war nicht mehr zu halten, es wurde die volle UVP fällig. Später nahm UGREEN Bestellungen wieder auf und erhöhte die Produktion. Der tatsächliche Euro-Straßenpreis nach diesem Hin und Her – und ob der für Mai 2026 geplante Liefertermin gehalten wurde – ist für uns nicht gesichert.
Das Interesse war trotzdem groß: Die Kickstarter-Kampagne „UGREEN AI NAS“ (Start 24.03.2026) brachte 8.844.449 US-Dollar von 3.872 Unterstützern. Die erste NASync-Kampagne 2024 erreichte mit rund 6,6 Mio. US-Dollar und über 13.000 Unterstützern sogar mehr Leute – damals das höchstfinanzierte NAS auf Kickstarter. Zu jener Kampagne gab es allerdings Lieferbeschwerden. Und 2024 teilten sich alle UGREEN-Private-Cloud-Geräte ein Zertifikat und einen privaten Schlüssel; das Zertifikat wurde im Mai 2024 nach einer Kompromittierung widerrufen. Wie sich die Sicherheitsbilanz von UGOS Pro langfristig gegen die etablierten Systeme DSM (Synology) und QTS (QNAP) schlägt, muss sich noch zeigen – UGOS Pro ist jünger und funktionsärmer.
Die Alternativen
Ein normales NAS behalten. Das DXP6800 Pro oder ein Mainstream-Gerät wie das UGREEN DXP4800 Plus decken Speicher, Backups und Foto-Erkennung ohne KI-Aufpreis ab.
Lokale KI selbst bauen. Mit Ollama oder LM Studio lassen sich kleine Sprachmodelle per Docker auch auf Synology- oder QNAP-NAS betreiben. Laut Recherche ist ein günstiger Core-Ultra-Mini-PC (etwa von Beelink) neben dem NAS oft preiswerter und für Sprachmodelle schneller als das KI-NAS; ein Rechner mit dedizierter Grafikkarte schlägt das NAS bei der Inferenz klar. Für einen ersten Versuch mit sehr kleinen Modellen (Gemma 2B, Phi-3 Mini) gilt das QNAP TS-464 als günstigster brauchbarer Einstieg.
KI-Etiketten der anderen Hersteller. Synology hat eine „AI Console“ (Dokumentenverständnis, semantische Suche) – ohne NPU, reine Analyse- und Verwaltungsschicht. QNAP hat „AI Hub“ in QTS plus KI-spezifische Hardware wie das TS-AI642. TerraMaster (F4-425 Plus, Intel N150) und Asustor bewerben lokalen Chatbot und KI-Suche – alle prozessorbasiert, ohne NPU.
Zwei Punkte für den Alternativvergleich noch: Synology hatte im April 2025 für 2025er-Plus-Modelle einen Laufwerks-Lock-in angekündigt (nur Synology-eigene oder -zertifizierte Platten für vollen Funktionsumfang), das aber mit DSM 7.3 im Oktober 2025 zurückgenommen. Und das Synology DS925+ hat gegenüber dem Vorgänger DS923+ die 10GbE-Option und den PCIe-Erweiterungsslot verloren – nur noch 2,5GbE.
UGREEN NASync DXP4800 Pro
Wer nach dieser Abwägung beim NAS ohne KI-Aufpreis bleiben will, findet hier ein 4-Bay-NAS von UGREEN. Rund 776,87 € (Stand 08.09.2026).
Fazit: Lohnt sich der Aufpreis?
Für die meisten Homelab-Nutzer eher nicht. Die KI-Hardware im iDX6011 ist stark, die KI-Software gilt in Tests aber noch als unreif – die Urteile reichen von „wirklich nützlich“ (TechRadar) bis „zu viele Einschränkungen“ (ComputerBase, NASCompares). Der lokale Chatbot ist langsam und ersetzt keinen Cloud-Dienst, und Fotosortierung wie Gesichtserkennung gibt es auf normalen NAS ohne Aufpreis.
Sinnvoll sein kann das iDX6011, wenn du bewusst willst, dass die KI-Auswertung deiner Fotos, Sprachmemos und Dokumente das Gerät nie verlässt; wenn du die starke restliche Hardware (10GbE mit rund 800 MB/s in Tests, sechs Einschübe, PCIe-Slot, Thunderbolt) ohnehin brauchst; und wenn du damit leben kannst, dass die KI-Seite noch wächst. Für alle anderen ist ein normales NAS – und falls es lokale Sprachmodelle sein sollen, ein separater Mini-PC oder ein Rechner mit Grafikkarte – der günstigere und schnellere Weg. Ob der OCuLink-Port für eine externe Grafikkarte den KI-Stack von UGOS Pro heute spürbar beschleunigt, ist übrigens nicht belegt.