Musiksammlung selbst hosten: Navidrome und die Alternativen im Vergleich

Das Wichtigste in Kürze

  • Navidrome ist die ressourcenschonendste Open-Source-Lösung für eine selbst gehostete Musiksammlung und läuft auch auf kleiner Hardware wie einem NAS (Network Attached Storage, also einem Speicher, der direkt am heimischen Netzwerk hängt) zuverlässig.
  • Es gibt keine offizielle Navidrome-App – gehört wird über den Webbrowser oder über Drittanbieter-Apps, die die Subsonic-API sprechen, etwa Symfonium oder Feishin.
  • Wer eine fertige App aus einer Hand will, greift zu Jellyfin (komplett kostenlos) oder zu Plex/Emby (kostenlose Grundversion, Zusatzfunktionen kostenpflichtig) – Musik-Streaming bleibt bei Plex auch remote gratis.
  • Für Sonderfälle gibt es Ampache, Funkwhale, Koel und weitere Projekte – mit unterschiedlichem Pflegezustand und Zielgruppen.

Warum die eigene Musiksammlung selbst hosten?

Wer über Jahre MP3s, FLACs oder gekaufte Alben gesammelt hat, will diese Sammlung oft von überall erreichen – im Auto, unterwegs mit dem Handy, am Küchen-Lautsprecher. Statt alles bei einem Streaming-Dienst einzukaufen, kann man die eigene Musiksammlung selbst hosten: Ein kleiner Server im Netzwerk übernimmt dann die Rolle, die sonst Spotify oder Apple Music spielt – nur eben mit den eigenen Dateien. Die Auswahl an Software dafür ist inzwischen groß, und nicht jede Lösung passt zu jedem Anwendungsfall. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Optionen ein, mit Navidrome als Ausgangspunkt.

Navidrome: die schlanke Referenz

Navidrome ist quelloffen (der Quellcode ist frei einsehbar und veränderbar, Lizenz GPLv3), in der Programmiersprache Go geschrieben und dadurch sehr genügsam im Ressourcenverbrauch – ideal für Hardware, die nebenbei noch andere Aufgaben im Homelab übernimmt. Stand Juli 2026 liegt das Projekt bei Version 0.63.x; die genaue Zahl ändert sich laufend, deshalb lohnt vor der eigenen Installation ein Blick auf die aktuelle Release-Seite.

Technisch setzt Navidrome auf die Subsonic-API (eine Programmierschnittstelle, über die Apps mit dem Server kommunizieren), konkret Version 1.16.1, plus laufend erweiterte OpenSubsonic-Extensions. Das ist wichtig zu wissen: Das ursprüngliche Subsonic-Projekt von Sindre Mehus ist seit Version 6.0-beta2 im Jahr 2016 closed-source und nur noch gegen eine kommerzielle Lizenz erhältlich. Der offene Nachfolge-Standard heißt seit 2023 OpenSubsonic – eine community-getragene, rückwärtskompatible Weiterentwicklung, die von den meisten aktuellen Servern und Apps unterstützt wird. Wer also nach „Subsonic-kompatibel“ sucht, meint heute in der Praxis meist OpenSubsonic.

Navidrome unterstützt mehrere Benutzerkonten, serverseitiges Transcoding (das automatische Umwandeln von Musikdateien in ein anderes Format oder eine niedrigere Bitrate, etwa für mobile Datenverbindungen, technisch über ffmpeg mit codec-abhängigen Standardeinstellungen) sowie Scrobbling zu Last.fm und ListenBrainz – also das automatische Mitschreiben, was man gehört hat. 2026 kam eine experimentelle Jellyfin-Music-API dazu, die sich per Einstellung aktivieren lässt und Navidrome kompatibel zu manchen Jellyfin-Musik-Apps macht, sowie eine überarbeitete Artwork-Pipeline mit Platzhalterbildern beim Laden von Cover-Grafiken.

Ein bewusster Verzicht: Navidrome hat keine offizielle App für Handy oder Desktop. Genutzt wird die Weboberfläche im Browser oder eine der zahlreichen Drittanbieter-Apps, die die Subsonic-/OpenSubsonic-API sprechen – etwa Symfonium, Feishin, Substreamer oder DSub. Für Einsteiger ist das zunächst ungewohnt, in der Praxis aber unkompliziert, sobald einmal eine passende App gefunden ist.

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Die Alternativen im Überblick

Jellyfin: der kostenlose Gesamt-Mediaserver

Jellyfin ist komplett kostenlos und quelloffen, aber kein reiner Musikserver, sondern eine Gesamtlösung für Filme, Serien und Musik zugleich, mit eigenen Apps für die wichtigsten Plattformen. 2026 sprang die Versionszählung auf „12.0“ (vorher wäre es 10.12.0 gewesen), mit spürbaren Performance-Verbesserungen bei Musikbibliotheken, Playlists und der Startseite, einem neuen Instant-Mix-Feature sowie Fixes für den Android-TV-Player, etwa beim Spulen während des Transcodings und beim Scrollen von Songtexten.

Plex/Plexamp und Emby: Freemium mit unterschiedlichen Kompromissen

Plex ist proprietär und finanziert sich über das Abo „Plex Pass“ (6,99 $/Monat bzw. 69,99 $/Jahr). Wichtig für Musikfans: Der separate Musik-Player Plexamp ist von der Bezahlpflicht für Remote-Zugriff ausdrücklich ausgenommen – Musik bleibt also auch unterwegs kostenlos, während Plex beim Video-Streaming schrittweise auf ein kostenpflichtiges Modell umstellt. Der Plex-Lifetime-Pass wurde zudem zweimal verteuert: von 120 $ auf 250 $ zum 29. April 2025, dann auf 750 $ zum 1. Juli 2026 – Bestandskunden behalten aber ihre alten Konditionen.

Emby funktioniert ähnlich wie Plex, mit stabilen Preisen für „Emby Premiere“ (4,99 $/Monat, 54 $/Jahr, 119 $ als Einmalzahlung fürs Leben). Durch die Plex-Preiserhöhungen ist Emby bei den Lifetime-Kosten inzwischen deutlich günstiger als die Konkurrenz.

Ampache und Funkwhale: für besondere Ansprüche

Ampache ist eine in PHP geschriebene, sehr aktiv gepflegte Open-Source-Lösung (AGPLv3-Lizenz) mit monatlicher Release-Kadenz und aktuell Version 8.1.0. Sie ist funktionsreicher als Navidrome, dafür auch komplexer in der Einrichtung.

Funkwhale ist ein föderierter Musikserver auf Basis von ActivityPub (dem gleichen offenen Protokoll, das auch Mastodon nutzt) – Server können sich untereinander vernetzen und Musik teilen. Das Projekt steckt allerdings gerade im Umbruch: Der Gründer ist 2025 aus gesundheitlichen Gründen von der Projektleitung zurückgetreten, es werden aktiv neue Maintainer gesucht, und mit Version 2.0 wechselt die API von v1 auf v2 mit Breaking Changes für bestehende Clients. Ob 2.0 zum Zeitpunkt der eigenen Einrichtung schon als stabil gilt oder noch Alpha-Status hat, sollte man vor dem Einsatz prüfen.

Weitere Namen, kurz eingeordnet

Koel (PHP/Laravel mit Vue-Oberfläche) ist im Kern kostenlos, „Koel Plus“ kostet für Mehrbenutzerbetrieb, Single-Sign-On und Cloud-Speicher-Anbindung extra. Der Lyrion Music Server (bis November 2024 als Logitech Media Server bekannt) richtet sich an eine Nische mit Squeezebox-Hardware. Mopidy ist ein modularer Python-Server mit Plugin-System, eher ein Baukasten für Bastler als eine fertige Lösung. Music Assistant, ein Projekt aus dem Home-Assistant-Umfeld, kombiniert lokale Dateien mit Streaming-Diensten wie Spotify oder Tidal für die Mehrraum-Wiedergabe – ist also eher eine Ergänzung als ein klassischer Bibliotheksserver. Von Airsonic als Empfehlung sollte man inzwischen Abstand nehmen: Das Originalprojekt ist archiviert, der Fork Airsonic-Advanced gilt als quasi verwaist, und ob der neuere Fork Airsonic-Pulse regelmäßig Updates liefert oder bislang eher Ankündigung als aktives Projekt ist, lässt sich derzeit nicht sicher sagen.

Vergleich auf einen Blick

Server Lizenz/Kosten Besonderheit
Navidrome Kostenlos, GPLv3 Sehr ressourcenschonend, kein offizieller Client
Jellyfin Kostenlos Gesamt-Mediaserver mit eigenen Apps
Plex/Plexamp Freemium Musik bleibt remote kostenlos, Video zunehmend kostenpflichtig
Emby Freemium, stabile Preise Lifetime aktuell günstiger als Plex
Ampache Kostenlos, AGPLv3 Funktionsreich, komplexeres Setup
Funkwhale Kostenlos, AGPLv3 Föderiert, aktuell im Umbruch

Fazit: Welche Lösung passt zu wem?

Wer ausschließlich seine eigene Musiksammlung selbst hosten will und dafür möglichst wenig Serverleistung einplanen möchte, ist mit Navidrome und einer passenden Drittanbieter-App gut bedient. Wer ohnehin schon Filme und Serien selbst hostet, kann die Musik einfach bei Jellyfin mitlaufen lassen und spart sich einen zweiten Dienst. Plexamp lohnt sich vor allem, wenn man Plex ohnehin schon für anderes im Einsatz hat. Ampache und Funkwhale sind eher etwas für Nutzer, die zusätzliche Funktionen oder eine föderierte Struktur brauchen und bereit sind, sich etwas tiefer mit der Einrichtung zu beschäftigen.

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