Offsite-Backup ohne teures Abo: Die praktikablen Wege für dein Homelab

Das Wichtigste in Kürze

  • Objektspeicher wie Backblaze B2 oder die Hetzner Storage Box kosten nur wenige Euro pro Monat und Terabyte – ganz ohne klassisches Backup-Abo.
  • Open-Source-Tools wie restic oder BorgBackup verschlüsseln deine Daten selbst und übertragen nur das, was sich seit dem letzten Lauf geändert hat.
  • Eine externe Festplatte bei Freunden oder Familie, per Tailscale ohne Portfreigabe erreichbar, ist die günstigste Offsite-Lösung überhaupt.
  • Achtung bei Mindesthaltefristen: Wasabi berechnet 90 Tage, Amazon Glacier Deep Archive sogar 180 Tage – auch wenn du die Daten vorher löschst.

Wer sein Homelab oder NAS (Network Attached Storage, also ein Speicher, der am Netzwerk hängt) ernsthaft absichern will, kommt an einer Kopie außerhalb der eigenen vier Wände nicht vorbei. Ein Brand, ein Wasserschaden oder simpler Diebstahl macht sonst auch die zweite Festplatte im gleichen Haus wertlos. Die klassische Faustregel dafür heißt 3-2-1: drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Medien, eine davon extern (also „offsite“, außerhalb des eigenen Standorts). Weil gezielte Ransomware-Angriffe zunehmend genau die Backup-Server mit angreifen, wird die Regel inzwischen oft zu 3-2-1-1-0 erweitert: eine der Kopien zusätzlich unveränderlich oder komplett vom Netz getrennt („air-gapped“), und regelmäßig mit einem echten, verifizierten Restore-Test.

Die gute Nachricht: Für die externe Kopie brauchst du kein teures Backup-Abo eines Herstellers. Es gibt mehrere praktikable Wege, die je nach Datenmenge, technischem Anspruch und Budget unterschiedlich gut passen.

Objektspeicher: pay-as-you-go statt Abo

Objektspeicher (englisch „object storage“) ist im Grunde ein riesiger, über das Internet erreichbarer Datenspeicher, bei dem du nur für das zahlst, was du tatsächlich belegst – ganz ohne feste Laufzeit. Die meisten Anbieter sprechen den S3-Standard von Amazon, weshalb sie „S3-kompatibel“ heißen und sich mit denselben Werkzeugen ansteuern lassen.

  • Backblaze B2 kostet 6 US-Dollar pro Terabyte und Monat, die ersten 10 GB sind kostenlos. Der Download (Egress) ist kostenlos bis zur dreifachen durchschnittlichen Speichermenge, danach werden 0,01 $/GB fällig. Seit Mai 2026 sind zudem die normalen API-Aufrufe für alle Kunden gebührenfrei.
  • Wasabi verlangt 7,99 $ pro Terabyte und Monat (seit 1. Juli 2026, vorher 6,99 $). Wichtig: Es gilt eine Mindesthaltedauer von 90 Tagen – löschst du eine Datei früher, wird sie trotzdem bis Tag 90 weiterberechnet.
  • iDrive e2 liegt bei etwa 4 bis 5 $ pro Terabyte und Monat, ohne Aufpreis für Download oder API-Zugriffe.
  • Cloudflare R2 kostet 0,015 $ pro GB und Monat (macht rechnerisch ca. 15 $/TB), der Download ist grundsätzlich kostenlos. 10 GB sind dauerhaft gratis, dazu ein monatliches Freikontingent an Lese- und Schreibzugriffen.

Speicher speziell für Borg, Restic & Co.

Wer ohnehin ein Backup-Tool wie restic oder Borg einsetzt, muss nicht zwingend zu einem S3-Anbieter greifen. Es gibt Speicher, der direkt für dieses Einsatzgebiet gebaut ist:

  • rsync.net berechnet standardmäßig 1,5 Cent pro GB und Monat, bei größeren Mengen bis zu 0,75 Cent/GB. Es fallen keine Zugriffs-, Transfer- oder Lizenzgebühren an, gekündigt werden kann jederzeit. Der Dienst unterstützt Borg, restic, rclone und git-annex nativ und bietet ZFS-Snapshots (Momentaufnahmen des Dateisystems) inklusive.
  • Hetzner Storage Box: erhältlich in Kapazitätsstufen ab 1 TB (BX11) und 5 TB (BX21) aufwärts, Preise im niedrigen bis mittleren einstelligen Euro-Bereich pro Monat (netto) – seit einer Preiserhöhung im April 2026 aber teurer als zuvor. Zugriff per SMB, SFTP, FTP, rsync oder Borg. Für den Proxmox Backup Server (kurz PBS, die Backup-Software des Virtualisierungssystems Proxmox) eignet sich die Storage Box wegen schwacher IOPS-Werte (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde) nicht als direktes Datenziel – besser nutzt du restic, Borg oder rclone direkt gegen die Box.
  • BorgBase ist auf Borg- und Restic-Repositories spezialisiert, ab 2 $/Monat, 10 GB und zwei Repositories dauerhaft kostenlos, keine Extra-Gebühren für API oder Transfer. Ein „Append-only“-Modus verhindert, dass ein Angreifer vorhandene Backups überschreiben oder löschen kann – ein wirksamer Schutz gegen Ransomware.

Kaltarchiv nur für echte Ausnahmefälle

Amazon S3 Glacier Deep Archive wirkt mit rund 1 $ pro Terabyte und Monat unschlagbar günstig. Die Mindesthaltefrist von 180 Tagen und Abrufzeiten von bis zu 48 Stunden plus Abrufgebühren machen es aber nur für ein echtes Kaltarchiv sinnvoll – Daten, die du im Idealfall nie wieder anfassen musst. Für ein Backup, das du regelmäßig testen willst, ist es ungeeignet.

Die günstigste Variante: die Festplatte bei Freunden

Am wenigsten kostet die Variante, die viele für veraltet halten: eine externe Festplatte, die bei Freunden oder Familie steht. Der Trick, der das heute praktikabel macht: Mit Tailscale – einem kostenlosen Mesh-VPN (ein virtuelles Netzwerk, das Geräte über das Internet so verbindet, als stünden sie im selben Heimnetz) – erreichst du das entfernte NAS, ohne Ports am Router freigeben oder eine feste IP-Adresse einrichten zu müssen. In Kombination mit Syncthing oder rclone lässt sich der Abgleich vollständig automatisieren. Es fallen keine laufenden Kosten an – nur die einmalige Anschaffung der Festplatte.

Unsere Empfehlung

WD 4 TB Elements AE Tragbare Externe Festplatte

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Für die Offsite-Kopie bei Freunden oder Familie reicht eine einfache, tragbare Festplatte mit ausreichend Kapazität und USB-3.2-Anschluss – genau das liefert diese 4-TB-Platte.

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Wer keinen passenden Standort bei Bekannten hat, kann dieselbe Platte auch selbst an einem zweiten Ort lagern, etwa im Büro, und sie in größeren Abständen manuell austauschen.

Vergleich der Cloud-Speicher

Anbieter Preis Besonderheit
Backblaze B2 6 $/TB/Monat Egress bis 3× Speichermenge kostenlos, API-Aufrufe seit Mai 2026 gratis
rsync.net ab 0,75–1,5 ct/GB/Monat Native Borg/restic-Unterstützung, ZFS-Snapshots inklusive
Hetzner Storage Box ab wenigen Euro/Monat (1 TB), seit April 2026 teurer als zuvor SMB/SFTP/rsync/Borg, nicht als direktes PBS-Ziel geeignet
Wasabi 7,99 $/TB/Monat 90 Tage Mindesthaltefrist beachten
iDrive e2 ca. 4–5 $/TB/Monat Keine Egress-/API-Gebühren
Cloudflare R2 0,015 $/GB/Monat Egress kostenlos, 10 GB dauerhaft gratis
BorgBase ab 2 $/Monat Spezialisiert auf Borg/restic, Append-only gegen Ransomware

Welches Backup-Werkzeug?

Die Wahl des Speichers ist nur die halbe Miete – dazu braucht es ein Programm, das die Daten verschlüsselt, dedupliziert (also nur einmalig speichert, was sich nicht geändert hat) und überträgt:

  • restic ist mit über 35.000 Sternen auf GitHub das am weitesten verbreitete Open-Source-Tool dieser Art. Es ist ein einzelnes Programm ohne weitere Abhängigkeiten und spricht S3, B2, SFTP und andere Ziele direkt an.
  • BorgBackup erzielt bei gleichartigen Daten wie VM-Images oder Container-Abbildern Kompressionsraten von 10:1 bis 20:1. Bei gemischten Dateitypen unterscheidet es sich kaum von restic oder Kopia.
  • Kopia bringt eine grafische Oberfläche mit und ist dank Multithreading (paralleler Verarbeitung) das schnellste der drei Werkzeuge. Restic und Kopia gelten formal noch als nicht ganz ausgereift (Vorversion 1.0), laufen aber seit Jahren zuverlässig im produktiven Einsatz.
  • Duplicati hat die einsteigerfreundlichste Weboberfläche, gilt aber als das am wenigsten zuverlässige der genannten Tools, wenn es ums tatsächliche Zurückspielen von Daten geht.

Fazit

Ein teures Rundum-Abo brauchst du für dein Offsite-Backup nicht. Für kleine bis mittlere Datenmengen sind Backblaze B2 oder die Hetzner Storage Box in Kombination mit restic oder Borg günstig und unkompliziert. Wer schon mit ZFS arbeitet oder besonders viel Kontrolle will, findet bei rsync.net ein technisch durchdachtes Angebot. Und wenn es besonders günstig sein soll und jemand im Umfeld eine externe Festplatte aufnehmen kann: Tailscale plus Syncthing macht daraus ein vollautomatisches, kostenloses Offsite-Backup – nur eben ohne die Redundanz eines professionellen Rechenzentrums.

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