RAID 5 oder RAID 6? Die Entscheidung an einem Beispiel erklärt

Das Wichtigste in Kürze

  • RAID 5 nutzt eine Paritätsinformation und verkraftet den Ausfall einer Platte. RAID 6 rechnet eine zweite Parität und übersteht zwei gleichzeitige Ausfälle – kostet dafür aber eine Platte mehr an nutzbarem Speicher.
  • Die Entscheidung fällt am Rebuild, dem Wiederaufbau nach einem Plattentausch: Bei RAID 5 läuft das Array dabei ganz ohne Reserve, bei RAID 6 bleibt eine Sicherungsebene übrig.
  • Faustregel von Herstellern und Community (2025): RAID 6 ab etwa vier Datenplatten oder ab Plattengrößen von rund 8–12 TB. RAID 5 nur noch für kleine Verbünde aus 3–4 kleineren Platten – und nur mit Backup.
  • Kein RAID-Level ersetzt ein Backup. Die 3-2-1-Regel gilt unabhängig davon.

Worum es bei „RAID 5 oder RAID 6″ geht

RAID (Redundant Array of Independent Disks) fasst mehrere Festplatten zu einem Verbund zusammen, der den Ausfall einzelner Platten übersteht. RAID 5 und RAID 6 tun das über Parität – eine Prüfsumme, aus der sich der Inhalt einer fehlenden Platte zurückrechnen lässt, ähnlich wie sich in „a + b + c = Summe“ ein fehlender Summand aus dem Rest bestimmen lässt.

RAID 5 verteilt die Daten samt einer Paritätsinformation über alle Platten und verkraftet damit den Ausfall genau einer Platte. Von n Platten bleibt die Kapazität von n−1 nutzbar. RAID 6 rechnet eine zweite, unabhängig ermittelte Parität (oft P und Q genannt) und übersteht zwei gleichzeitige Ausfälle; nutzbar ist n−2. Das ist der ganze Kern – und seit Jahren unverändert.

Das Beispiel: sechs 12-TB-Platten im NAS

Angenommen, du baust dir ein NAS (Network Attached Storage, ein Speicher, der am Netzwerk hängt) mit sechs Festplatten zu je 12 TB. Dann sieht die Rechnung so aus:

  • RAID 5: nutzbar sind fünf Platten, also rund 60 TB. Verkraftet einen Plattenausfall.
  • RAID 6: nutzbar sind vier Platten, also rund 48 TB. Verkraftet zwei Plattenausfälle.

Der Preis für RAID 6 sind in diesem Beispiel 12 TB weniger Platz und eine Platte mehr im Einkauf. Eine 12-TB-NAS-Platte liegt derzeit im dreistelligen Bereich – die Seagate IronWolf Pro 12 TB etwa bei 519,00 € (Stand 28.08.2026). Ob dir dieser Aufpreis die zweite Sicherungsebene wert ist, hängt an dem, was beim Wiederaufbau passiert.

Warum der Rebuild die eigentliche Frage ist

Fällt eine Platte aus, ersetzt du sie, und der Verbund rechnet ihren Inhalt aus den übrigen Platten neu – der Rebuild. Bei RAID 5 läuft das Array in diesem Zeitraum ohne jede Redundanz. Passiert jetzt einer von zwei Dingen, bricht der Wiederaufbau ab, und im schlechtesten Fall ist der komplette Verbund verloren:

  • Eine zweite Platte fällt aus.
  • Auf einer der verbleibenden Platten tritt ein URE auf (unrecoverable read error) – ein Sektor, den die Platte partout nicht mehr fehlerfrei lesen kann.

RAID 6 behält beim Wiederaufbau einer einzelnen Platte noch eine Redundanzebene. Ein URE oder ein zweiter Ausfall ist damit verkraftbar.

Wie lange dauert so ein Rebuild?

Als grober Faustwert gelten ein bis zwei Stunden pro TB bei ungestörtem Array. Unter laufender Last und bei großen Platten (16–24 TB) sind ein bis drei Tage realistisch. Während des Wiederaufbaus sinkt die nutzbare Leistung typischerweise um 30–50 %. Je länger dieses Fenster offen steht, desto größer die Chance auf einen zweiten Ausfall – zumal Platten aus derselben Lieferung, mit praktisch gleichem Betriebsstundenstand, dazu neigen, zeitlich nah beieinander auszufallen (2025). Wer alle Platten in einer Bestellung kauft, holt sich also ein gewisses Chargenrisiko ins Haus.

Der Lesefehler und die Datenblatt-Angabe

Wie wahrscheinlich ein URE ist, steht als Spezifikation im Datenblatt. Klassische Desktop-Platten sind mit rund einem Lesefehler pro 1014 gelesenen Bit angegeben – das entspricht etwa 12,5 TB. Viele NAS- und Enterprise-Platten sind mit 1015 spezifiziert, rechnerisch also zehnmal besser (Stand 2025). Das Muster ist belastbar: Consumer-Reihen wie die WD Red Plus liegen bei 1014, Pro- und Enterprise-Reihen (WD Red Pro, Seagate IronWolf Pro, Seagate Exos, WD Gold/Ultrastar, Toshiba MG) bei 1015. Den konkreten Wert einer bestimmten 2025/2026er-Platte solltest du im Datenblatt nachsehen – die genauen Modellangaben ändern sich häufiger als das grobe Muster.

In ein Paritäts-Array gehören außerdem keine SMR-Platten (eine Aufzeichnungstechnik mit überlappenden Spuren) – ihr Rebuild-Durchsatz bricht dramatisch ein. Betroffen sind ältere WD Red ohne den Zusatz „Plus“ und viele externe Platten zum Ausbauen.

„RAID 5 stirbt garantiert beim Rebuild über 12 TB“ – stimmt so nicht

Diese Aussage geht auf einen Artikel von Robin Harris zurück („Why RAID 5 stops working in 2009″, ZDNet, 2007/2009). Die Rechnung dahinter – 1014 Bit ≈ 12,5 TB, also ist ein URE beim Lesen eines großen Arrays quasi sicher – ist eine Worst-Case-Obergrenze aus der Datenblattspezifikation, keine gemessene Rate. Felddaten, unter anderem die Statistiken von Backblaze, zeigen: Platten lesen routinemäßig weit mehr als 12 TB ohne einen einzigen URE, und Lesefehler häufen sich auf alternden oder schwächelnden Platten, statt gleichmäßig pro Byte aufzutreten. Das Risiko ist trotzdem nicht null und wächst mit der Arraygröße. Die Kernaussage „bei großen Arrays lieber zweite Parität“ bleibt richtig – nur die Begründung „mathematisch sicherer Tod“ ist es nicht.

RAID 5 und RAID 6 im direkten Vergleich

  RAID 5 RAID 6
Paritäten eine zwei (P und Q)
Verkraftet gleichzeitig 1 Plattenausfall 2 Plattenausfälle
Nutzbare Kapazität n−1 Platten n−2 Platten
Schutz während des Rebuilds keiner eine Redundanzebene bleibt
Kleine wahlfreie Schreibzugriffe schneller langsamer (Read-Modify-Write)
Sequenzielles Schreiben bei beiden unkritisch
Entsprechung ZFS RAIDZ1 RAIDZ2
Entsprechung Synology SHR-1 SHR-2
Unsere Empfehlung

Seagate IronWolf Pro, NAS interne Festplatte 12TB HDD, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256 MB Cache, SATA 6GB/S, silber, inkl. 3 Jahre Rescue Service, Modellnr.: ST12000NE0008

Seagate IronWolf Pro 12 TB (ST12000NE0008)
Eine NAS-Festplatte der Pro-Reihe – genau die Kategorie, die dieser Artikel für größere Paritäts-Verbünde ins Spiel bringt. Rund 519,00 € (Stand 28.08.2026).

Preis prüfen *

Was sonst noch in die Entscheidung spielt

Das Write Hole

Klassische Paritäts-RAIDs (etwa Linux-mdadm oder Hardware-Controller ohne gepufferten Cache) können bei einem Stromausfall mitten im Schreibvorgang einen widersprüchlichen Datenblock hinterlassen – das sogenannte Write Hole. Gegenmittel: ein Hardware-Controller mit batterie- oder flash-gepuffertem Cache, das Journal bzw. PPL von mdadm, oder Copy-on-Write-Dateisysteme wie OpenZFS mit RAIDZ, die durch das Schreiben kompletter Stripes bauartbedingt nicht betroffen sind.

Schreibtempo

Der oft gehörte Satz „RAID 6 schreibt viel zu langsam“ stimmt für Heimzwecke selten. Moderne CPUs berechnen die zweite Parität günstig, sequenzielles Schreiben ist unkritisch. Nur bei vielen kleinen, wahlfreien Schreibzugriffen liegt RAID 6 hinter RAID 5. Für Medien, Backups und Fotoarchive ist das kaum je der Flaschenhals.

Ein Hot Spare ist kein Ersatz für RAID 6

Ein Hot Spare – eine mitlaufende Reserveplatte – verkürzt nur die Zeit bis zum Start des Rebuilds. Während des RAID-5-Wiederaufbaus ist das Array trotzdem ungeschützt. RAID 6 bleibt es nicht.

Die Preislage 2025/2026

Seit etwa September 2025 treibt die Nachfrage aus KI-Rechenzentren die Festplattenpreise deutlich nach oben, NAS-Platten sind zeitweise schlecht lieferbar, und mehrere Quellen erwarten keine Entspannung vor Ende 2027. Die genauen Prozentzahlen schwanken je nach Quelle und Region – gesichert ist nur die Richtung. Die zusätzliche Platte für RAID 6 kostet also spürbar mehr, und ob man alle Platten auf einmal oder gestaffelt kauft, wird zur Budgetfrage.

Wie das bei Synology, ZFS und Unraid heißt

Gemeint ist überall dasselbe Prinzip, nur die Namen unterscheiden sich:

  • Synology: SHR-1 entspricht RAID 5 (erlaubt unterschiedlich große Platten), SHR-2 entspricht RAID 6.
  • ZFS: RAIDZ1 ≈ RAID 5, RAIDZ2 ≈ RAID 6, RAIDZ3 hat eine dritte Parität. Dazu kommen Blockprüfsummen gegen stille Datenfehler. Im Einsatz unter anderem in TrueNAS und Proxmox.
  • Unraid: ein oder zwei eigene Paritätsplatten ohne Striping, jede Datenplatte mit eigenem Dateisystem; die zweite Parität rechnet RAID-6-artig. Plattengrößen lassen sich frei mischen, dafür geringerer Durchsatz als bei echtem Striping.

Zwei Dinge, die ältere Ratgeber überholt haben: Seit OpenZFS 2.3 (Januar 2025) lässt sich ein RAIDZ-Verbund um einzelne Platten erweitern (RAIDZ-Expansion) – das früher wichtigste Gegenargument gegen RAIDZ2 zu Hause ist damit weg; die Funktion steckt in aktuellen TrueNAS-SCALE-Versionen und in Proxmox. Und: Die 2025er Synology-Plus-Modelle durften Speicherpools zeitweise nur mit Synology-eigenen Platten anlegen – mit DSM 7.3 (Anfang Oktober 2025) gilt das für 3,5-Zoll-HDDs und 2,5-Zoll-SATA-SSDs wieder nicht, nur M.2-NVMe-SSDs bleiben auf die Kompatibilitätsliste beschränkt.

Finger weg dagegen vom RAID-5/6-Modus von btrfs: Er gilt weiterhin (Stand 2025) als nicht produktionsreif. Wer Parität mit btrfs möchte, nutzt in der Praxis Synology SHR (btrfs über mdraid) oder greift zu ZFS.

Die Entscheidung – kurz gefasst

Der verschobene Konsens von Herstellern und Community (2025): RAID 6, SHR-2 bzw. RAIDZ2 sind der Standard, sobald ein Array etwa vier oder mehr Datenplatten hat oder Platten ab rund 8–12 TB verwendet werden. RAID 5 bzw. SHR-1 ist noch vertretbar für kleine Verbünde aus 3–4 kleineren Platten (bis etwa 6–8 TB) – und nur, wenn ein Backup existiert. Die Kapazitätseffizienz von RAID 6 steigt ohnehin mit der Plattenzahl: Zwei von zwölf Platten für Parität kosten anteilig weniger als zwei von sechs.

Für unser Beispiel mit sechs 12-TB-Platten heißt das: RAID 6. Vier Datenplatten, Plattengröße an der 8–12-TB-Schwelle, ein Rebuild-Fenster von Stunden bis Tagen – alle drei Punkte sprechen für die zweite Parität. Und unabhängig vom Level: Richte ein Backup nach der 3-2-1-Regel ein – drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus. RAID schützt vor einem Plattendefekt, nicht vor versehentlichem Löschen, Ransomware, einem defekten Controller, Blitzschlag oder Diebstahl.

Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, bekommen wir eine Provision — für dich ändert sich der Preis nicht.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2026 Homelab Helden
Scroll to Top