- Die Formel ist simpel: Watt × 24 × 365 ÷ 1000 = Kilowattstunden pro Jahr, das Ganze mal deinem Strompreis. Jedes Watt Dauerlast kostet je nach Tarif rund 2,60 bis 3,10 Euro im Jahr.
- Der Stromzähler im Keller zeigt nur die Summe des ganzen Haushalts. Welches Gerät der Fresser ist, verrät nur eine Messung an der einzelnen Steckdose – und zwar über mehrere Tage, nicht als kurzer Blick auf den Momentanwert.
- Die üblichen Verdächtigen: drehende Festplatten (4–6 Watt pro Stück), überdimensionierte Netzteile, Zusatzkarten ohne Stromsparmodus und alte gebrauchte Server (80–150 Watt im Leerlauf).
- Die größten Hebel: sparsamere Hardware, Festplatten-Spindown, Stromsparmodi im BIOS aktivieren und Geräte nachts abschalten.
Ein Homelab – also der private Server-, NAS- und Mini-PC-Fuhrpark zu Hause – läuft meistens rund um die Uhr. Genau das macht den Stromverbrauch über die Jahre zu einem spürbaren Kostenposten. Die gute Nachricht: Ausrechnen, was das kostet, und den größten Verbraucher aufspüren ist keine Wissenschaft. Du brauchst eine Formel, ein Messgerät für die Steckdose und ein paar Tage Geduld.
Warum sich das Nachrechnen lohnt
„Homelab-Strom ist doch vernachlässigbar“ – das stimmt nicht. Ein Gerät, das durchläuft, ist 8.760 Stunden im Jahr am Netz. Ein einziges Watt Dauerlast sind 8,76 Kilowattstunden pro Jahr, also je nach Tarif rund 2,63 Euro (bei 30 Cent/kWh) bis 3,07 Euro (bei 35 Cent/kWh). 60 Watt Dauerlast – ein typisches NAS (Network Attached Storage, ein Speicher, der am Netzwerk hängt) mit ein paar Platten – kommen so auf etwa 525 Kilowattstunden und damit grob 130 bis 210 Euro im Jahr, je nach Tarif. Bei 100 Watt sind es schon rund 876 Kilowattstunden.
Die Grundformel
Kilowattstunden pro Jahr = Watt × 24 × 365 ÷ 1000. Und dann: Kosten = Kilowattstunden × Preis pro Kilowattstunde.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Watt und Wattstunden. Watt ist die Momentanleistung – wie weit das Gaspedal gerade durchgedrückt ist. Kilowattstunden sind die Energie über Zeit – der Sprit, der am Monatsende weg ist. Für die Fresser-Suche zählt der Verbrauch über Zeit, nicht der höchste kurze Ausschlag.
Beispiel: ein NAS mit vier 3,5-Zoll-Festplatten, das dauerhaft 60 Watt zieht. 60 × 24 × 365 ÷ 1000 = rund 526 Kilowattstunden pro Jahr. Bei 30 Cent/kWh sind das etwa 158 Euro, bei einer teuren Grundversorgung über 40 Cent eher 210 Euro.
Was kostet die Kilowattstunde 2026?
Das hängt stark vom Tarif ab, und die Spanne ist groß geworden. Der BDEW-Mittelwert liegt bei rund 37 Cent/kWh, günstige Neukunden-Tarife oft bei 23 bis 28 Cent, die Grundversorgung häufig über 40 Cent. Die Netzentgelte – die Durchleitungsgebühr fürs Stromnetz – wurden für 2026 durch einen Bundeszuschuss auf etwa 9,26 Cent/kWh gesenkt (rund 15 Prozent weniger). Ob das voll beim Endkunden ankommt, ist offen, weil andere Umlagen gleichzeitig steigen. Zwei alte Bekannte spielen dagegen keine Rolle mehr: Die EEG-Umlage ist seit Juli 2022 abgeschafft und steht nicht mehr auf der Rechnung, die Strompreisbremse ist Ende 2023 ausgelaufen. Am ehrlichsten rechnest du mit dem Preis von deiner letzten Jahresabrechnung.
Warum der Zähler im Keller nicht reicht
Der Hauszähler zeigt nur die Summe. Einzelne Geräte bekommst du nur isoliert, indem du sie über eine Mess-Steckdose laufen lässt oder testweise abklemmst. Ein Messgerät zwischen Steckdose und Gerät ist deshalb das wichtigste Werkzeug. Miss über mehrere Tage und lies die Kilowattstunden-Summe ab, nicht den Momentanwert – die Last schwankt stark durch nächtliche Backups, einen ZFS-Scrub (Prüflauf des Dateisystems) oder das Umrechnen eines Films.
Womit messen
| Methode | Was sie misst | Einschränkung |
|---|---|---|
| Offline-Messgerät für die Steckdose (z. B. Voltcraft Energy Logger 4000, „Kill A Watt“) | Verbrauch eines Geräts inkl. Netzteilverlust, mit Kilowattstunden-Speicher für Langzeitmessung | Billige Modelle zeigen Lasten unter 0,4 Watt als 0 an |
| WLAN-Mess-Steckdose (Shelly Plug S Gen3 ca. 15–20 €, TP-Link Tapo P110 ca. 11–15 €) | dasselbe, plus Auslesen übers Netzwerk | Shelly mit lokaler Schnittstelle, gut für Home Assistant; Tapo eher cloud-lastig |
| AVM FRITZ!DECT 200 | schaltbare Mess-Steckdose bis 3.600 Watt, Verlauf in FRITZ!OS | zwei Nachkommastellen, braucht eine FRITZ!Box |
| IR-Lesekopf am digitalen Zähler (Tibber Pulse, Hichi, AMS-Reader) | Gesamtverbrauch des Haushalts in Home Assistant | zeigt die Summe, nicht das einzelne Gerät |
| Software: turbostat, powertop, ipmitool | CPU-Package und RAM bzw. eine Schätzung des Server-BMC | keine Steckdosenmessung – ohne Board, Lüfter, Platten, Netzteilverlust; BMC-Wert etwa ±10–20 % |
Wo billige Messgeräte an ihre Grenzen kommen
Lasten unter 0,4 Watt werden bei vielen günstigen Geräten schlicht als 0,000 Watt angezeigt. Schaltnetzteile – in fast jedem Gerät verbaut – haben einen hohen Scheitelfaktor; einfache Messgeräte unterschätzen dann die tatsächlich bezahlte Wirkleistung, manche zeigen nur die höhere Scheinleistung in Voltampere. Eine Studie fand bei 4 von 5 getesteten smarten Steckdosen ungenaue Messwerte – allerdings nur fünf Geräte, das ist nicht repräsentativ. Fürs Fresser-Finden bei den üblichen Dauerlasten reicht ein einfaches Gerät gut. Erst bei sehr kleinen Verbrauchern im Bereich von deutlich unter einem Watt kommen billige Messgeräte an ihre Grenzen.
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Die typischen Fresser
Drehende Festplatten
Eine 3,5-Zoll-Festplatte zieht drehend etwa 4 bis 6 Watt im Leerlauf, 6 bis 9 Watt beim Zugriff und nur 0,5 bis 1 Watt im Standby. Übers Jahr sind das rund 45 bis 70 Kilowattstunden pro Platte, gegenüber etwa 8 bis 15 pro SSD. Vier Platten sind schnell 20 Watt, nur fürs Drehen. Spindown – die Platte nach einer Leerlaufzeit anhalten – senkt das auf 0,5 bis 1 Watt und spart 3 bis 4 Watt je Platte. Die Sorge um zu viele Lade-Zyklen ist bei modernen NAS-Platten meist überzogen; schädlich sind nur sehr häufige Spin-ups im Minutentakt. Sparsamer sind kleine Laufwerke: 2,5-Zoll-HDD 1 bis 2 Watt Leerlauf, SATA-SSD 0,1 bis 0,6 Watt. Wer bei Synology auf sparsamere Laufwerke wechseln will: Mit DSM 7.3 (Oktober 2025) hat Synology die Sperre für nicht zertifizierte Fremd-Festplatten und 2,5-Zoll-SATA-SSDs auf den neuen Modellen zurückgenommen, es bleiben nur Warnhinweise. NVMe-SSDs für Cache oder Pool gehen dort weiterhin nur mit Laufwerken von der Kompatibilitätsliste.
Überdimensionierte Netzteile
Die Nennleistung ist nicht der Verbrauch. Ein 650-Watt-Netzteil zieht nicht 650 Watt – der Verbrauch ist die tatsächliche Last geteilt durch den Wirkungsgrad. Und der ist am besten bei 40 bis 50 Prozent Auslastung. Bei 5 bis 15 Prozent, dem typischen Homelab-Leerlauf, arbeitet ein normales ATX-Netzteil schlecht und verschenkt im Leerlauf schnell 10 bis 30 Watt. Für Systeme unter 100 Watt lohnt eine picoPSU oder ein DC-DC-Wandler mit externem Netzteil. Bei ATX-Netzteilen ist 80 PLUS Titanium die einzige Effizienzstufe mit einer Vorgabe schon bei 10 Prozent Last (90 Prozent bei 10 Prozent, 94 Prozent bei 50 Prozent). Gold und Platinum werden erst ab 20 Prozent Last geprüft.
Zusatzkarten ohne Stromsparmodus
ASPM (eine PCIe-Stromsparfunktion) zusammen mit tiefen C-States (Schlafzuständen der CPU) kann im Leerlauf 10 bis 20 Watt ausmachen. Der Haken: Eine einzige Steckkarte ohne ASPM-Unterstützung verhindert oft alle tiefen C-States des ganzen Systems. Richtwerte für die Kandidaten: eine 10-Gigabit-Netzwerkkarte 3 bis 6 Watt, ein HBA- oder RAID-Controller 7 bis 10 Watt, eine dedizierte Grafikkarte 10 bis 40 Watt ohne aktives Power-Management. Unter Linux zeigt powertop, welche Sparmodi greifen; powertop --auto-tune schaltet sie ein.
Alte Enterprise-Server
Ein gebrauchter Rack-Server als günstiger Einstieg? Der Kaufpreis ist niedrig, aber solche Geräte ziehen 80 bis 150 Watt im Leerlauf – die Stromkosten übersteigen den Kaufpreis oft schon in ein bis zwei Jahren. Ein Mini-PC mit Intel N100 oder N150 liegt bei rund 7 bis 12 Watt Leerlauf, also grob 15 bis 25 Euro im Jahr. Ein Raspberry Pi 5 zieht im Leerlauf etwa 3 Watt, ein Raspberry Pi 4 nur rund 1 Watt – für einfache Always-on-Dienste ist der Pi 4 also sparsamer.
Hardware im Vergleich
| Gerät | Leerlauf | ca. kWh/Jahr | ca. €/Jahr (30 ct/kWh) |
|---|---|---|---|
| Raspberry Pi 4 | ~1 W | ~9 | ~3 € |
| Raspberry Pi 5 | ~3 W | ~26 | ~8 € |
| Mini-PC Intel N100 / N150 | ~7–11 W | ~60–96 | ~18–29 € |
| optimiertes Intel-Board 12./13. Gen | ~7 W | ~61 | ~18 € |
| NAS mit 4× 3,5-Zoll-HDD | ~60 W | ~526 | ~158 € |
| gebrauchter Enterprise-Server | ~80–150 W | ~700–1.314 | ~210–394 € |
Die Werte sind gerundet und mit 30 Cent/kWh gerechnet. Real hängt es von Bestückung, BIOS-Einstellungen und deinem Tarif ab.
Die größten Hebel
- Sparsamere Hardware. Alte Xeon- oder Full-ATX-Systeme liegen bei 30 bis 60 Watt und mehr im Leerlauf, ein N100/N150-Mini-PC bei 7 bis 15 Watt.
- Festplatten-Spindown aktivieren oder Daten auf SSD zusammenziehen.
- ASPM und C-States im BIOS einschalten, unter Linux mit powertop nachhelfen, unter Proxmox die bekannten Stromspar-Kniffe anwenden.
- Passendes Netzteil statt „viel hilft viel“.
- Nachtabschaltung oder Wake-on-LAN. 100 Watt für 8 Stunden täglich abgeschaltet sparen rund 290 Kilowattstunden im Jahr – bei 30 Cent fast 90 Euro.
- Dauerhaft im Blick behalten. Das kostenlose Energy Dashboard von Home Assistant rechnet nach Eingabe deines kWh-Preises die Kosten pro Gerät aus. Netdata sowie Prometheus mit node_exporter und Grafana loggen die Werte langfristig.
Fazit
Die Grundformel, ein Messgerät für die Steckdose und ein paar Tage Messzeit reichen, um jedem Gerät im Homelab einen Euro-Betrag pro Jahr zuzuordnen. Meistens sind es dieselben Verdächtigen: drehende Platten, ein zu großes Netzteil, eine Karte, die die Stromsparmodi blockiert, oder ein alter Server, der im Leerlauf mehr zieht als ein ganzes modernes System unter Last. Wenn du die drei, vier größten Posten kennst, entscheidet sich fast von selbst, wo sich Spindown, ein sparsamer Mini-PC oder eine Nachtabschaltung wirklich lohnen.