TrueNAS vs. Unraid vs. OpenMediaVault: Welches NAS-Betriebssystem passt zu dir?

Das Wichtigste in Kürze

  • Unraid ist flexibel und einsteigerfreundlich, kostet aber seit 2025 nicht mehr zwingend nur einmal – Neukäufe enthalten häufig nur noch ein Jahr Updates inklusive.
  • TrueNAS gibt es seit 2025 nur noch als eine Linie (früher „SCALE“), kostenlos als Community Edition, mit ZFS als Herzstück und Apps, die inzwischen auf Docker statt Kubernetes laufen.
  • OpenMediaVault ist komplett kostenlos, quelloffen und schlank – gut geeignet, wenn du volle Kontrolle über ein „reines“ Linux-System willst oder ältere Hardware nutzt.
  • Der Mythos, ZFS brauche zwingend Fehlerkorrektur-Arbeitsspeicher (ECC-RAM), stimmt nicht – empfehlenswert, aber keine Voraussetzung.

Wer sich ein eigenes NAS (Network Attached Storage, also ein Speicher, der im Netzwerk hängt und von allen Geräten zu Hause erreichbar ist) zusammenstellen will, muss sich früh für ein Betriebssystem entscheiden. Die drei bekanntesten Kandidaten – Unraid, TrueNAS und OpenMediaVault – haben sich gerade alle drei spürbar verändert. Wer noch einen älteren Vergleichsartikel gelesen hat, bekommt hier den aktuellen Stand.

Unraid: flexibles Array, aber jetzt mit Preis-Kleingedrucktem

Unraid startet klassisch von einem USB-Stick und organisiert die Festplatten in einem eigenen, proprietären Array-System mit Paritätsschutz. Das bedeutet: Fällt eine Festplatte im Array aus, lässt sich der Inhalt aus den übrigen Platten rekonstruieren – und wichtig für Einsteiger: Jede einzelne Festplatte bleibt auch für sich genommen lesbar, anders als bei klassischem RAID, wo oft nur der ganze Verbund funktioniert oder gar nichts. Seit Version 6.12 (2023) kann man zusätzlich ZFS-Pools als Alternative zum klassischen Array nutzen, seit Unraid 7.0 (Januar 2025) ist diese ZFS-Integration weiter ausgebaut, dazu kam natives Tailscale-Networking (ein Werkzeug, um Geräte sicher über das Internet zu verbinden, ohne selbst Ports öffnen zu müssen).

Was sich beim Preis geändert hat

Unraid war lange als reines Einmalkauf-Modell bekannt. Das gilt für Neukäufe seit 2025 nicht mehr uneingeschränkt: Statt der alten Stufen Basic/Plus/Pro gibt es jetzt Starter (49 $, bis zu 6 Speichergeräte), Unleashed (109 $, unbegrenzte Geräte) und Lifetime (249 $, unbegrenzte Geräte). Starter und Unleashed enthalten dabei nur noch ein Jahr Update-Berechtigung – wer danach weiter aktuelle Versionen bekommen will, braucht eine optionale Verlängerung für rund 36 $ pro Jahr. Nur die Lifetime-Stufe bietet weiterhin lebenslange Updates ohne Zusatzkosten. Wer schon eine alte Basic-, Plus- oder Pro-Lizenz besitzt, ist per Bestandsschutz ausgenommen und behält lebenslange Updates. Für Neukunden ist Unraid damit kein reines „einmal zahlen, für immer nutzen“ mehr, sondern hat spürbar ein Abo-Element bekommen.

TrueNAS: aus zwei Linien wird eine

TrueNAS gab es lange in zwei Varianten: SCALE (Linux, auf Debian-Basis) und CORE (FreeBSD-Basis). Anfang 2025 hat Hersteller iXsystems beide Linien zusammengeführt: SCALE erreichte Funktions- und Leistungsparität mit CORE und heißt seitdem einfach „TrueNAS“ – verfügbar als kostenlose Community Edition (CE) und als kostenpflichtige Enterprise-Edition mit zusätzlichem Support. Kernstück ist bei beiden ZFS, ein Dateisystem, das unter anderem automatische Prüfsummen gegen unbemerkte Datenfehler mitbringt.

Der Umstieg von Kubernetes auf Docker

Ein größerer Bruch betrifft die Apps: Mit dem Release „Electric Eel“ (24.10) im Oktober 2024 hat TrueNAS SCALE seinen App-Unterbau von Kubernetes auf Docker und Docker Compose umgestellt. Wer aus älteren Anleitungen noch TrueCharts oder Kubernetes-Apps kennt, findet diese Infrastruktur so nicht mehr vor – der Umstieg hat unterwegs auch zu Migrationsproblemen geführt, etwa bei einem Update im Juni 2025, das automatische Übernahmen älterer App-Konfigurationen zeitweise gebrochen hat. Wer Kubernetes trotzdem braucht, kann es optional über sogenannte „Sandboxes“ weiter nutzen, es ist aber nicht mehr der Standardweg.

Was ist mit TrueNAS CORE?

CORE, die FreeBSD-Variante, bekam im April 2025 mit Version 13.3-U1.2 ihren letzten Release und wird nicht mehr weiterentwickelt – die reguläre Update-Pflege endete bereits im Februar 2025. Wer noch CORE einsetzt, sollte den Umstieg auf TrueNAS (vormals SCALE) einplanen; ZFS-Pools und die meisten Einstellungen lassen sich dabei ohne Datenverlust übernehmen.

OpenMediaVault: schlank, kostenlos, quelloffen

OpenMediaVault (kurz OMV) ist Debian-basiert, komplett kostenlos und quelloffen, entwickelt von Volker Theile. Die Plugin-Architektur erinnert an frühere Versionen von FreeNAS und macht das System bewusst modular: Man installiert nur, was man wirklich braucht. Aktuell (Stand August 2026) ist Version 8 mit dem Codenamen „Synchrony“ die unterstützte Version, basierend auf Debian 13, mit Punktupdates mindestens bis 8.5.1. Die Vorgängerversion OMV 7 („Sandworm“, Debian 12) erreichte im Juni 2026 ihr offizielles Support-Ende. OMV eignet sich besonders, wenn man lieber ein „reines“ Linux-System mit viel eigener Kontrolle hätte, auch auf schwächerer oder älterer Hardware.

Vergleich auf einen Blick

System Basis Kosten Dateisystem Besonderheit
Unraid eigenes Linux, USB-Boot kostenpflichtig, seit 2025 teils mit Update-Abo proprietäres Array, optional ZFS Einzelne Platten bleiben separat lesbar
TrueNAS Linux (Debian), vormals SCALE Community Edition kostenlos, Enterprise kostenpflichtig ZFS Apps seit 2024 auf Docker/Compose statt Kubernetes
OpenMediaVault Linux (Debian) kostenlos, quelloffen je nach Plugin, u. a. klassische Linux-Dateisysteme schlank, modular über Plugins

Der Mythos: „ZFS braucht ECC-RAM“

Ein Punkt, der bei TrueNAS und generell bei ZFS immer wieder für Verunsicherung sorgt: ZFS erfordere zwingend ECC-RAM (Arbeitsspeicher mit eingebauter Fehlerkorrektur). Das stimmt nicht – selbst ein Miterfinder von ZFS hat das öffentlich klargestellt, und auch die offizielle OpenZFS-FAQ verneint es ausdrücklich. Richtig ist: ECC-RAM schützt zusätzlich davor, dass Bitfehler im Arbeitsspeicher unbemerkt in geschriebene Daten wandern, und ist deshalb empfehlenswert – aber ZFS auf normalem Non-ECC-RAM ist nicht gefährlicher als jedes andere Dateisystem auf Non-ECC-RAM. Für ein privates Homelab ist ECC also ein netter Bonus, keine Pflicht.

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Welches System passt zu wem?

Für den Einstieg mit einfacher Bedienung, gutem Docker- und VM-Handling und einem großen Community-Angebot an Plugins bleibt Unraid attraktiv – wer aber langfristig lebenslange Updates ohne Zusatzkosten will, sollte gezielt zur Lifetime-Lizenz greifen und die Preisstruktur genau vergleichen. Wer Wert auf ein robustes, quelloffenes Dateisystem mit Prüfsummen legt und die kostenlose Community Edition ausreicht, findet in TrueNAS eine solide, aktuell gepflegte Lösung – sollte sich aber auf die neue Docker-basierte App-Welt einstellen, falls man noch alte Kubernetes-Anleitungen im Kopf hat. Wer dagegen ein schlankes, komplett kostenloses und quelloffenes System mit voller Kontrolle über ein „normales“ Debian-Linux sucht, ist bei OpenMediaVault gut aufgehoben – gerade auch auf etwas älterer oder sparsamer Hardware. Alle drei Systeme werden aktiv weiterentwickelt; die Entscheidung hängt am Ende weniger von der Technik als vom eigenen Budget und dem gewünschten Grad an Kontrolle ab.

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