- Ein Cache-Pool aus SSD oder NVMe-Speicher fängt Schreibzugriffe ab, bevor sie später automatisch ins langsamere Array wandern.
- Bei zwei gleich großen SSDs spiegelt Unraid den Pool standardmäßig (RAID1) – Kapazitätsaddition per RAID0 musst du manuell einstellen.
- Für Cache-Pools mit mehreren Laufwerken brauchst du BTRFS oder ZFS als Dateisystem, seit Unraid OS 7.0 ist ZFS vollwertig integriert.
- Für appdata- und system-Freigaben gilt die Einstellung „Prefer“ als robuster als „Only“.
Wer Unraid als Betriebssystem für seinen Homeserver nutzt, kennt das Prinzip: Alle Festplatten bilden zusammen ein sogenanntes Array – vereinfacht gesagt einen gemeinsamen Speicherverbund, bei dem einzelne Platten auch unterschiedlich groß sein dürfen. Das ist praktisch, aber klassische Festplatten (HDDs) sind bei vielen kleinen Schreibvorgängen langsam. Genau hier kommt das Cache-Laufwerk ins Spiel. In diesem Artikel erklären wir, wie du einen Cache-Pool einrichtest, welche Einstellungen wirklich etwas bringen und was sich mit den neueren Unraid-Versionen geändert hat.
Was macht ein Cache-Laufwerk bei Unraid eigentlich?
Ein Cache-Pool besteht aus einer oder mehreren SSDs (Solid State Drives, also Speicherchips ohne bewegliche Teile) oder NVMe-Laufwerken (eine besonders schnelle Bauform, die direkt auf dem Mainboard steckt statt per Kabel angeschlossen zu werden). Schreibzugriffe – etwa wenn eine App Daten speichert oder du eine Datei hochlädst – landen zuerst auf diesem schnellen Speicher. Ein Hintergrundprozess namens „Mover“ verschiebt die Daten dann zeitgesteuert weiter ins eigentliche Array. Der Effekt: Deine Anwendungen und Freigaben fühlen sich deutlich reaktionsschneller an, weil sie nicht auf die langsameren Array-Platten warten müssen, während die Langzeitspeicherung trotzdem auf dem günstigeren, größeren Array passiert.
Cache-Pool einrichten: RAID1 oder RAID0?
Steckst du zwei gleich große SSDs für den Cache ein, wählt Unraid automatisch RAID1 – eine Spiegelung, bei der beide Laufwerke denselben Inhalt tragen. Fällt eine SSD aus, sind deine Daten trotzdem noch da. Wer stattdessen die volle Kapazität beider Laufwerke addieren möchte (RAID0), muss das manuell umstellen. Der Nachteil: Fällt bei RAID0 ein Laufwerk aus, sind die Daten auf beiden Platten weg.
| Modus | Vorteil | Risiko |
|---|---|---|
| RAID1 (Standard bei 2 gleich großen SSDs) | Datenspiegelung, Ausfall einer SSD kein Datenverlust | Nur die Kapazität einer SSD nutzbar |
| RAID0 (manuell wählbar) | Volle Kapazität beider SSDs nutzbar | Ausfall einer SSD = Datenverlust auf dem Pool |
Für die meisten Homelab-Setups ist RAID1 die sinnvollere Wahl, weil auf dem Cache oft wichtige, sich häufig ändernde Daten liegen – etwa Konfigurationen laufender Anwendungen.
Welches Dateisystem: BTRFS oder ZFS?
Besteht dein Pool aus mehreren Laufwerken, brauchst du zwingend BTRFS oder ZFS als Dateisystem – beides sind moderne Dateisysteme mit eingebauten Schutzfunktionen gegen Datenfehler. Ein Pool aus nur einem einzigen Laufwerk kann dagegen auch mit dem einfacheren XFS laufen. Lange war BTRFS in Unraid die naheliegende Wahl für Multi-Device-Pools, seit Unraid OS 7.0 (erschienen am 09.01.2025) ist ZFS aber vollwertig integriert und wird als gleichberechtigte Option („first-class citizen“) behandelt. Wichtig dabei: Hebst du einen ZFS-Pool auf neue Funktionen an, ist das eine Einbahnstraße – ältere Unraid-Versionen können den Pool danach nicht mehr einbinden.
Mehrere Pools statt nur einem Cache
Seit Unraid 6.9 bist du nicht mehr auf einen einzigen „cache“-Pool beschränkt. Typisch ist zum Beispiel ein NVMe-Pool mit ZFS speziell für appdata (die Konfigurationsdaten deiner Docker-Container) und ein separater SSD-Pool nur für virtuelle Maschinen. So lassen sich unterschiedliche Anwendungsfälle sauber trennen, statt alles auf einem Pool zu stapeln.
Kingston NV3 NVMe PCIe 4.0 Interne SSD 1TB M.2 2280-SNV3S/1000G
Für einen gespiegelten Cache-Pool brauchst du zwei baugleiche Laufwerke – ein preisgünstiges NVMe-Modell wie dieses hält die Kosten für das Pärchen überschaubar.
Freigaben richtig einstellen: Prefer statt Only
Damit Docker-Container und deren Daten vom schnellen Cache profitieren, stellst du die appdata- und system-Freigaben auf „Prefer“ – der Cache wird bevorzugt genutzt, bei Bedarf greift Unraid aber trotzdem aufs Array zurück. Von der Einstellung „Only“ wird abgeraten: Landen aus irgendeinem Grund noch Restdaten im Array, findet Unraid sie dann nicht mehr zuverlässig. Achte außerdem darauf, dass der Wert für „Minimum Free Space“ (der Mindest-Freiraum, der auf dem Pool erhalten bleiben muss) nie auf 0 steht – sonst laufen neue Dateien ungebremst weiter auf den Cache, bis er komplett voll ist. Sobald diese Schwelle erreicht wird, weicht Unraid automatisch auf sekundären Speicher beziehungsweise das Array aus.
Docker auf dem Cache-Pool
Seit Unraid 6.12 kann Docker seine Daten statt in einer einzelnen Container-Datei (einem sogenannten „docker.img“) direkt als Verzeichnisstruktur auf dem BTRFS- oder ZFS-Pool ablegen. Das ist einfacher zu verwalten und läuft seltener versehentlich voll – ein Punkt, den man bei der Ersteinrichtung des Cache-Pools mitbedenken sollte, falls die Docker-Einstellungen noch auf die alte Variante zeigen.
Feinschliff mit dem Mover
Der Mover arbeitet standardmäßig nach einem festen Zeitplan und wandert Dateien pauschal vom Cache ins Array. Wer genauer steuern will, welche Freigaben wann Priorität bekommen, kann über die Community Applications (den Plugin-Store von Unraid) das Plugin „Mover Tuning“ installieren. Es erweitert den Standard-Mover um Alters- und Prioritätslogik je nach Cache-Einstellung der einzelnen Freigabe.
Was die neueren Unraid-Versionen ändern
Wer sich für einen Cache-Pool entscheidet, sollte auch einen Blick auf die Versionshistorie werfen, denn gerade beim Thema ZFS hat sich viel getan: Unraid 7.1 verbesserte den Pool-Import, RAIDZ-Erweiterung (das nachträgliche Hinzufügen eines Laufwerks zu einem bestehenden ZFS-Verbund) war dort aber nur per Kommandozeile möglich. Mit Unraid 7.2.0 (29.10.2025) hielt diese Erweiterung auch fürs WebGUI Einzug, laufwerksweise für RAIDZ1, RAIDZ2 und RAIDZ3. Aktuell sind die Stable-Releases 7.3.0, 7.3.1 (ein Sicherheits- und Wartungsrelease) sowie 7.3.2. Seit 7.3 kann Unraid zudem von einer internen SSD, NVMe oder eMMC statt zwingend von einem USB-Stick booten, und neue Lizenzen werden über ein TPM-Modul (Trusted Platform Module, ein Sicherheitschip auf dem Mainboard) ans Mainboard gebunden statt an die USB-Stick-Kennung.
Fazit
Ein Cache-Pool ist kein optionales Extra, sondern für die meisten Unraid-Installationen die Grundlage für spürbar bessere Alltagsperformance – vor allem, wenn Docker-Container oder virtuelle Maschinen im Spiel sind. Zwei gleich große SSDs für ein gespiegeltes RAID1, das passende Dateisystem und eine durchdachte „Prefer“-Einstellung bei den Freigaben reichen für den Einstieg völlig aus. Wer mehr Kontrolle will, kann später immer noch zusätzliche Pools anlegen oder den Mover per Plugin feiner steuern.