Unraid für Einsteiger: Warum gemischte Festplattengrößen der Trick sind

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Unraid dürfen Festplatten unterschiedlicher Marke, Größe und Anschlussart in einem Array (einem gemeinsamen Speicherverbund) landen – anders als bei klassischem RAID, wo meist alle Platten gleich groß sein müssen.
  • Die einzige Regel: Die Parity-Platte (die Ausgleichsplatte, die im Notfall eine ausgefallene Platte rekonstruiert) muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte im Array – nicht die größte Platte, die überhaupt im Server steckt.
  • Dadurch lassen sich alte, kleinere Festplatten einfach mit neuen, größeren kombinieren, statt gleich einen kompletten Satz identischer Platten kaufen zu müssen.
  • Willst du später eine größere Platte einbauen, als deine aktuelle Parity groß ist, musst du zuerst die Parity-Platte tauschen – danach kann die alte Parity als ganz normale Datenplatte weiterarbeiten.

Was ist das Unraid-Array eigentlich?

Unraid ist ein Betriebssystem für den eigenen Server oder ein NAS (Network Attached Storage, also ein Speicher, der einfach am Netzwerk hängt und von allen Geräten im Haus erreichbar ist). Im Kern steckt das sogenannte Array: ein Verbund aus mehreren Festplatten, der wie ein einziger großer Speicher genutzt wird und gleichzeitig gegen den Ausfall einer Platte abgesichert ist.

Bei klassischem RAID (Redundant Array of Independent Disks, ein Festplattenverbund, der Daten über mehrere Platten verteilt) erwarten die meisten Verfahren, dass alle beteiligten Platten gleich groß sind. Genau das macht Unraid anders – und das ist der Punkt, der Einsteigern oft am meisten Kopfschmerzen bereitet, bevor sie ihn verstanden haben.

Der Trick: Festplattengrößen einfach mischen

In einem Unraid-Array dürfen die Datenplatten unterschiedliche Kapazitäten, unterschiedliche Marken und sogar unterschiedliche Anschlussarten haben. Eine alte 4-TB-Platte aus dem letzten Rechner, eine 8-TB-Platte vom letzten Angebot und irgendwann eine große 32-TB-Platte – all das kann im selben Array landen.

Die Parity-Regel einfach erklärt

Damit das Array trotzdem gegen einen Plattenausfall abgesichert ist, braucht es mindestens eine Parity-Platte. Sie speichert keine eigenen Dateien, sondern eine Art Prüfsumme aus allen Datenplatten, mit der sich im Ernstfall eine ausgefallene Platte komplett wiederherstellen lässt. Die einzige Bedingung dabei: Die Parity-Platte muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte im Array – nicht so groß wie die größte Platte, die irgendwo im Server steckt, sondern nur so groß wie die größte, die tatsächlich Teil des Arrays ist.

Wer zwei Parity-Platten nutzt (Dual-Parity, damit sogar zwei gleichzeitige Plattenausfälle verkraftet werden), hat etwas mehr Spielraum:

Modell Anforderung an die Parity-Platte(n)
Single-Parity (1 Parity-Platte) Muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte im Array
Dual-Parity (2 Parity-Platten) Beide müssen mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte, dürfen sich aber untereinander unterscheiden; keine Datenplatte darf größer sein als die kleinere der beiden Parity-Platten

Was passiert, wenn du eine größere Platte einbaust?

Neue Platten lassen sich jederzeit ins Array aufnehmen – solange sie nicht größer sind als die aktuelle Parity-Platte. Willst du irgendwann eine Platte einbauen, die größer ist als deine bisherige Parity, musst du zuerst die Parity-Platte gegen eine größere austauschen. Die gute Nachricht: Die alte Parity-Platte muss danach nicht in den Elektroschrott, sondern wird einfach als ganz normale Datenplatte weiterverwendet. So wächst ein Unraid-Server über Jahre mit, ohne dass man vorausschauend einen ganzen Satz identischer Platten kaufen müsste.

Unsere Empfehlung

Seagate IronWolf Pro 8TB, NAS Interne Festplatte HDD, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256 MB Cache, SATA 6 GB/S, inkl. Data Rescue Service (ST8000NTZ01)

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Da die Parity-Platte mindestens so groß sein muss wie die größte Datenplatte im Array, ist eine CMR-Platte wie diese eine solide Basis, mit der ein gemischtes Unraid-Array mitwachsen kann.

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Wie sich das von Synology SHR und TrueNAS/ZFS unterscheidet

Unraid ist nicht der einzige Anbieter, der sich um das Problem unterschiedlicher Plattengrößen kümmert. Synology hat dafür ein eigenes System namens SHR (Synology Hybrid RAID) gebaut, das ebenfalls unterschiedlich große Platten mischen und nachträglich erweitern kann – als SHR-1 bei zwei bis vier Laufwerken, als SHR-2 (mit zwei Ausfallreserven) empfohlen ab fünf Laufwerken. Bei TrueNAS, das auf dem Dateisystem ZFS aufbaut, sieht es anders aus: Innerhalb eines vdev (der kleinsten Speicher-Baueinheit von ZFS, aus der sich ein Pool zusammensetzt) werden in der Regel identische Plattengrößen empfohlen. Das macht ZFS beim Mischen deutlich unflexibler als Unraid oder Synologys SHR.

System Gemischte Plattengrößen
Unraid (Array) Beliebig mischbar, Parity-Regel beachten
Synology SHR Eigenes Feature zum Mischen und Erweitern
TrueNAS/ZFS (pro vdev) Gleiche Größen empfohlen, unflexibler

Auf die richtige Festplatte kommt es an: CMR statt SMR

So flexibel die Größen sein dürfen – bei der Aufnahmetechnik der Festplatte solltest du nicht experimentieren. Für ein Parity-Array eignen sich nur CMR-Platten (Conventional Magnetic Recording, das klassische Aufzeichnungsverfahren, bei dem die Datenspuren sich nicht überlappen). Als NAS-sicher gelten aktuell durchgängig die Serien WD Red Plus und Red Pro, Seagate IronWolf und IronWolf Pro sowie Toshiba N300. Vorsicht ist bei der reinen „WD Red“ ohne Zusatz geboten: In den kleineren Kapazitäten zwischen 2 und 6 TB wird sie weiterhin als DM-SMR ausgeliefert (ein Verfahren mit überlappenden Spuren, das beim Wiederaufbau einer Platte im Array zu deutlich längeren Rebuild-Zeiten und im schlimmsten Fall zu Timeouts führen kann) – für ein Paritäts-Array ist das keine gute Wahl.

Wer besonders viel Platz braucht: Anfang 2026 kamen mit der Seagate-IronWolf-Pro-, Exos- und Skyhawk-AI-Reihe erstmals 32-TB-Festplatten in den freien Handel, alle mit 7200 Umdrehungen pro Minute und 512 MiB Cache. Sie sind spürbar teurer als kleinere Modelle, zeigen aber gut, wie groß allein die Parity-Platte künftig ausfallen kann – Datenplatten dürfen dabei ja trotzdem viel kleiner bleiben.

Was Unraid 2026 kostet

Unraid ist keine kostenlose Software. Aktuell gibt es drei Lizenzstufen: Starter für 49 US-Dollar (bis zu sechs angeschlossene Speichergeräte), Unleashed für 109 US-Dollar (unbegrenzt viele Geräte) und Lifetime für 249 US-Dollar (unbegrenzt viele Geräte, ohne wiederkehrende Verlängerungsgebühr). Bei der Sechs-Geräte-Grenze der Starter-Lizenz zählen alle Speichergeräte zusammen – Datenplatten, Parity-Platten und auch Cache-Laufwerke, nur der USB-Boot-Stick zählt nicht mit. Ob das für dein geplantes Setup reicht, hängt also davon ab, wie viele Platten und Pools du am Ende einsetzen willst. Starter und Unleashed enthalten ein Jahr Update-Berechtigung; läuft es aus, funktioniert die vorhandene Version weiter, nur eben ohne neue Updates, sofern du nicht verlängerst. Wer erst einmal testen will, kann das 30 Tage lang ohne Kreditkarte tun.

Übrigens musste Unraid lange zwingend von einem USB-Stick starten – ein Kritikpunkt, den viele Einsteiger seltsam altmodisch fanden. Seit Version 7.3.0 ist das nicht mehr nötig, ein Boot vom internen Speicher ist inzwischen ebenfalls möglich.

Fazit

Der eigentliche Trick bei Unraid ist simpel: Du musst nicht auf einen Schlag mehrere gleich große Festplatten kaufen, um loszulegen. Eine einzelne Regel – die Parity-Platte muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte – reicht, damit du dein Array mit dem füllen kannst, was du gerade hast, und es später Stück für Stück wachsen lassen kannst.

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