- Synology hatte 2025 bei neuen Plus-Modellen den Einsatz fremder Festplatten eingeschränkt, diese Sperre aber im Oktober 2025 mit DSM 7.3 wieder zurückgenommen – nur einzelne Komfortfunktionen bleiben zertifizierten Platten vorbehalten.
- Unraid organisiert Speicher grundlegend anders als Synology: eigene Datenplatten plus Paritätsplatte statt eines gebündelten SHR-Verbunds (Synology Hybrid RAID).
- Deine alten Synology-Festplatten kannst du nicht einfach in den Unraid-Rechner stecken und weiterverwenden – das Datenformat ist inkompatibel, ein Umzug per Backup ist nötig.
- Unraid hat sein Lizenzmodell 2025 umgebaut: Neukunden zahlen jetzt für ein Update-Abo, Bestandskunden mit alten Lizenzen behalten ihre bisherigen Konditionen.
Ein NAS (Network Attached Storage, also ein Speicher, der fest im Netzwerk hängt und von allen Geräten zu Hause erreichbar ist) von Synology ist für viele der Einstieg ins eigene Heimnetzwerk. Wer aber mehr Kontrolle will, eigene Server-Anwendungen laufen lassen möchte oder mit den Entscheidungen von Synology der letzten Zeit unzufrieden ist, schaut sich zunehmend nach Unraid um. Der Wechsel ist technisch machbar, bringt aber ein paar Besonderheiten mit sich, die du kennen solltest, bevor du Platten aus- und einbaust.
Warum wechseln gerade jetzt viele von Synology zu Unraid?
Ein konkreter Auslöser war die Ankündigung von Synology im April 2025, dass neue Plus-Modelle wie die DS925+ oder DS1525+ ihre vollen Funktionen – etwa die Erstellung neuer Speicherpools oder die Gesundheitsüberwachung der Platten – nur noch mit zertifizierten beziehungsweise herstellereigenen Festplatten anbieten sollten. Wer bislang günstigere Platten von Drittanbietern eingebaut hatte, bekam plötzlich Warnungen oder eingeschränkte Funktionen zu sehen. Nach deutlicher Kundenkritik und spürbaren Umsatzrückgängen hat Synology diese Sperre mit dem Update auf DSM 7.3 (die Systemsoftware der NAS-Geräte) im Oktober 2025 wieder zurückgenommen: Fremdplatten von Seagate, WD oder Toshiba lassen sich seitdem wieder ohne Warnhinweise einbauen und für neue Speicherpools nutzen. Übrig geblieben ist nur, dass Zusatzfunktionen wie eine vorausschauende Ausfallanalyse weiterhin an zertifizierte Synology-Platten gebunden sind. Wer also allein wegen dieser Sperre wechseln wollte, kann inzwischen entspannter durchatmen – trotzdem bleiben andere Gründe für einen Umstieg bestehen, etwa der Wunsch nach mehr Freiheit bei der Hardware oder nach günstigeren Festplatten ohne Komfort-Abstriche.
Der grundlegende Unterschied: Wie beide Systeme Speicher organisieren
Der wichtigste technische Unterschied liegt darin, wie die beiden Systeme mehrere Festplatten zu einem gemeinsamen Speicher zusammenfassen. Synology setzt meist auf SHR (Synology Hybrid RAID), ein eigenes Verfahren, das Festplatten unterschiedlicher Größe in mehrere logische Abschnitte aufteilt und neu bündelt, um aus gemischten Plattengrößen möglichst viel nutzbaren Speicher herauszuholen. Unraid arbeitet klassisch mit einem Array: Jede Datenplatte bleibt einzeln und eigenständig formatiert, dazu kommt eine oder kommen zwei dedizierte Paritätsplatten (eine Art Sicherheitskopie in Rechenform, mit der ein Plattenausfall ausgeglichen werden kann). Die Paritätsplatte muss dabei mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte im Array.
| Kriterium | Synology (SHR) | Unraid (Array) |
|---|---|---|
| Prinzip | Platten werden in Segmente zerlegt und in mehreren RAID-Gruppen neu kombiniert | Jede Platte bleibt einzeln formatiert, dazu kommt eine separate Paritätsplatte |
| Unterschiedliche Plattengrößen mischen | Ja, dafür konzipiert | Ja, möglich |
| Beispiel 4+8+8+12 TB, ein Plattenausfall tolerierbar | ca. 24 TB nutzbar | ca. 20 TB nutzbar |
| Alternative mit modernem Dateisystem | Btrfs | ZFS (seit Unraid 7.0 nativ integrierbar) |
| Hardware | Geschlossenes Gerät mit fest verbauter Technik | Frei zusammenstellbarer PC (x86-Hardware) |
Der Beispielrechnung nach hat SHR bei gemischten Plattengrößen einen Kapazitätsvorteil. Dafür gewinnst du bei Unraid Flexibilität: Du kannst jederzeit einzelne Platten unterschiedlicher Hersteller und Größen ergänzen, ohne den ganzen Verbund neu aufbauen zu müssen, und jede Platte bleibt auch einzeln lesbar. Seit Unraid OS 7.0 (Anfang 2025) steht zusätzlich natives ZFS zur Verfügung – ein Dateisystem, das besonders für Datenintegrität und Snapshots (Zeitpunkt-Sicherungen des gesamten Datenbestands) bekannt ist und sich seit Version 7.1 sogar aus bestehenden Installationen von TrueNAS, Proxmox, QNAP oder Ubuntu importieren lässt.
Kein USB-Stick mehr zwingend nötig
Ein Kritikpunkt an Unraid war jahrelang, dass das System zwingend von einem USB-Stick booten musste. Seit Unraid 7.3 ist das nicht mehr zwingend: Das System lässt sich jetzt auch von einer internen SSD oder NVMe-Speicherkarte starten. Ist ein TPM 2.0 (ein kleiner Sicherheitschip auf dem Mainboard) vorhanden, kann sogar die Lizenz vom Stick weg migriert werden. Wer will, kann seinen Boot-Speicher zusätzlich als ZFS-Spiegel absichern.
Was die Unraid-Lizenz heute kostet
Auch beim Lizenzmodell hat sich 2025 einiges verändert. Die alten Stufen Basic, Plus und Pro wurden durch Starter (bis sechs Speichergeräte), Unleashed (unbegrenzt viele Geräte) und Lifetime ersetzt. Neue Lizenzen bringen ein Jahr Updates mit, danach ist eine Verlängerung für 36 US-Dollar pro Jahr optional; die Lifetime-Lizenz kostet einmalig 249 US-Dollar ohne weitere Verlängerungsgebühr. Als grobe Richtwerte für Neupreise kursieren rund 49 US-Dollar für Starter und rund 109 US-Dollar für Unleashed, häufig mit Rabattaktionen. Genaue Preise in Euro inklusive Mehrwertsteuer lassen sich daraus nicht zuverlässig ableiten, dafür lohnt ein Blick auf die offizielle Unraid-Seite. Wer bereits eine alte Basic-, Plus- oder Pro-Lizenz besitzt, behält seinen Bestandsschutz mit lebenslangen Updates zu den bisherigen Konditionen. Vor dem Kauf lässt sich Unraid 30 Tage kostenlos testen, die Testphase kann zweimal um jeweils 15 Tage verlängert werden – macht maximal 60 Tage zum Ausprobieren, bevor eine Lizenz fällig wird.
So klappt der Umzug der Daten in der Praxis
Der Punkt, an dem die meisten Umsteiger stolpern: Synology-Festplatten lassen sich nicht einfach ausbauen und in den Unraid-Rechner stecken, um dort weiterzulaufen. Synology nutzt ein eigenes Volumenlayout auf Basis von Btrfs oder EXT4, kombiniert mit den Linux-Techniken LVM und mdadm – Unraid erkennt dieses Format nicht nativ. Der sichere Weg ist deshalb:
- Vollständiges Backup aller Daten von der Synology, bevor irgendetwas an der Hardware verändert wird.
- Auf dem neuen Unraid-Rechner das Array beziehungsweise einen ZFS-Pool frisch einrichten.
- Die gesicherten Daten auf den neuen Speicher zurückspielen.
Wer die alten Synology-Platten trotzdem direkt auslesen möchte, kann sie alternativ über eine Ubuntu-VM (virtuelle Maschine) unter Unraid einbinden und dort per mdadm und LVM einhängen, um Daten manuell herüberzukopieren. Das ist aber ein Umweg für technisch versiertere Nutzer – für die meisten ist ein sauberes Backup vorher der entspanntere und sicherere Weg. Genau in dieser Umzugsphase brauchst du ohnehin zusätzliche Kapazität, auf der die Daten zwischenzeitlich sicher liegen, während die alten Platten neu formatiert werden.
Seagate IronWolf Pro 8TB, NAS Interne Festplatte HDD, 3.5 Zoll, 7200 U/Min, CMR, 256 MB Cache, SATA 6 GB/S, inkl. Data Rescue Service (ST8000NTZ01)
Für die Backup- und Umzugsphase zwischen zwei NAS-Systemen ist eine zusätzliche, für den Dauerbetrieb ausgelegte Festplatte mit inkludiertem Datenrettungsservice ein sinnvoller Sicherheitspuffer.
Was du bei Unraid zusätzlich bekommst
Unraid läuft, anders als die geschlossenen Synology-Geräte mit ihren eingebetteten Prozessoren, auf ganz normaler x86-PC-Hardware, die du frei zusammenstellst und später erweitern kannst. Dazu kommt der Community-Applications-Katalog mit über 2000 Ein-Klick-Anwendungen auf Docker-Basis (eine Technik, um Programme in abgeschotteten, leicht austauschbaren Paketen zu betreiben) sowie eine eingebaute Unterstützung für virtuelle Maschinen inklusive GPU-Passthrough, also der direkten Durchreichung einer Grafikkarte an eine virtuelle Maschine. Seit Unraid 7.2 gibt es außerdem eine eingebaute Programmierschnittstelle (API), eine nachträgliche Erweiterung von RAIDZ-Verbünden (RAIDZ-Expansion) sowie Unterstützung für zusätzliche Dateisysteme wie Ext2/3/4, NTFS und exFAT, dazu optional ein zentrales Anmeldeverfahren (SSO) für die Weboberfläche. Wer künftig lieber vorgefertigte statt selbst zusammengebaute Hardware möchte, kann seit der 2026 angekündigten Kooperation mit 45HomeLab auch auf offizielle Unraid-Fertigsysteme schauen, bei denen Komponenten wie Arbeitsspeicher, Festplatten und Lüfter weiterhin frei austauschbar bleiben.
Fazit
Der Wechsel von Synology zu Unraid lohnt sich vor allem für alle, die mehr Kontrolle über ihre Hardware wollen und mit Docker-Anwendungen oder virtuellen Maschinen experimentieren möchten. Die einstige Festplatten-Sperre bei Synology ist inzwischen kein zwingender Grund mehr, da sie seit DSM 7.3 wieder zurückgenommen ist. Wichtiger sind die praktischen Punkte: ein sauberes Backup vor der Migration einplanen, sich mit dem anderen Speicherprinzip von Unraid vertraut machen und beim Lizenzkauf auf das inzwischen abo-ähnliche Modell für Neukunden achten.