Plex oder Jellyfin? Der ehrliche Vergleich für den Eigenbetrieb

Das Wichtigste in Kürze

  • Plex ist proprietär (die Software gehört einer Firma und der Quellcode ist nicht einsehbar) und kostenlos in der Grundfunktion, viele Zusatzfunktionen stecken hinter dem kostenpflichtigen „Plex Pass“ – der seit 2025 deutlich teurer geworden ist.
  • Jellyfin ist zu 100 % Open Source (der Quellcode ist frei einsehbar und jeder darf ihn nutzen und verändern), komplett kostenlos und wird nur über Spenden finanziert.
  • Hardware-Transcoding – also das Umwandeln von Videos in Echtzeit, damit sie auf schwächeren Geräten flüssig laufen – ist bei Jellyfin für alle gratis, bei Plex an den Plex Pass gebunden.
  • Seit April 2025 verlangt Plex auch für den Fernzugriff von unterwegs Geld; Jellyfin holt bei offiziellen Fernseher-Apps auf, bietet aber keinen eigenen Streaming-Katalog wie Plex.

Wer sich einen eigenen Mediaserver für Filme, Serien und Musik zu Hause einrichtet, landet fast zwangsläufig bei zwei Namen: Plex und Jellyfin. Beide Programme laufen auf dem heimischen Server oder NAS (Network Attached Storage, also einem Speicher, der am Netzwerk hängt und rund um die Uhr erreichbar ist), durchsuchen die eigene Filmsammlung, laden Cover und Beschreibungen dazu und spielen alles bequem auf Fernseher, Handy oder Laptop aus. Auf den ersten Blick wirken sie fast identisch. Wer aber genauer hinschaut, findet in den letzten beiden Jahren einige Änderungen, die die Entscheidung heute anders ausfallen lassen könnten als noch 2023.

Was Plex und Jellyfin grundsätzlich unterscheidet

Plex Media Server stammt von der Firma Plex Inc. und ist proprietär, das heißt: Der Quellcode ist nicht öffentlich, und die Firma entscheidet allein über Funktionen, Preise und die Zukunft der Software. Die Grundnutzung ist kostenlos, viele praktische Zusatzfunktionen sind aber an den „Plex Pass“ gekoppelt, ein Abo oder eine Einmalzahlung.

Jellyfin dagegen ist zu 100 % Open Source unter der Lizenz GPLv2 und ein sogenannter Fork von Emby 3.5.2 – das heißt, Jellyfin wurde nicht von Grund auf neu geschrieben, sondern hat 2018 den damaligen Code von Emby übernommen und eigenständig weiterentwickelt. Angekündigt wurde Jellyfin am 8. Dezember 2018, der erste Release folgte am 30. Dezember desselben Jahres. Hinter dem Projekt steht keine Firma, sondern eine Community, finanziert ausschließlich über Spenden auf Open Collective.

Kosten im Vergleich: Der große Unterschied liegt in den Details

Jellyfin ist und bleibt komplett kostenlos, ohne Feature-Limits. Bei Plex sieht die Rechnung anders aus, und sie hat sich in den letzten zwei Jahren spürbar verändert. Am 29. April 2025 erhöhte Plex die Preise für den Plex Pass drastisch: Der Monatspreis stieg von 4,99 auf 6,99 US-Dollar (plus 40 %), der Jahrespreis von 39,99 auf 69,99 US-Dollar (plus 75 %) und die lebenslange Lizenz von 119,99 auf 249,99 US-Dollar (plus 108 %). Wer den Lifetime-Pass schon vorher gekauft hatte, behielt seinen Status unverändert.

Damit nicht genug: Zum 1. Juli 2026 wurde der Lifetime-Pass erneut verteuert, von 249,99 auf 749,99 US-Dollar – nochmal eine Verdreifachung. Parallel dazu führte Plex einen günstigeren 5-Jahres-Pass für 249,99 US-Dollar ein. Diese Angaben haben den Stand Juli 2026, Preise können sich also weiter ändern.

Kriterium Plex Jellyfin
Lizenzmodell Proprietär, Firma dahinter Open Source (GPLv2), Community
Grundnutzung Kostenlos Kostenlos, keine Limits
Hardware-Transcoding Nur mit Plex Pass (wenige Geräte-Ausnahmen) Für alle kostenlos (Intel QSV, NVIDIA NVENC, AMD VAAPI)
Fernzugriff Seit April 2025 kostenpflichtig Kostenlos
Eigener Streaming-Katalog Ja, werbefinanziert Nein
Offizielle TV-Apps – Seit Februar 2026 auch Samsung/LG (ab Baujahr 2021)

Hardware-Transcoding: kostenlos oder kostenpflichtig?

Transcoding bedeutet, dass der Server ein Video während der Wiedergabe in Echtzeit in ein anderes Format umwandelt – zum Beispiel, wenn ein 4K-Film auf einem älteren Tablet nicht direkt abgespielt werden kann. Läuft das über die Grafikeinheit des Prozessors statt über den Hauptprozessor selbst, spricht man von Hardware-Transcoding, und das läuft spürbar flüssiger und stromsparender. Genau hier liegt einer der praktisch wichtigsten Unterschiede: Bei Jellyfin ist Hardware-Transcoding für alle kostenlos nutzbar, egal ob über Intel Quick Sync (QSV), NVIDIA NVENC oder AMD VAAPI. Bei Plex ist dieselbe Funktion an den Plex Pass gebunden, von wenigen Geräten mit werksseitiger Freischaltung abgesehen.

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Jellyfin: Was sich zuletzt getan hat

Jellyfin hat in den letzten zwei Jahren einige Lücken geschlossen, die früher klar für Plex sprachen. Mit Version 10.10 im Oktober 2024 kamen sogenannte Media Segments dazu – eine Funktion, die Vor- und Abspann automatisch erkennt und überspringen lässt, ähnlich wie man es von großen Streaming-Diensten kennt. Dazu kam Software-Tonemapping für HDR-Formate (HDR10, HLG, Dolby Vision), also die automatische Anpassung von High-Dynamic-Range-Bildern für Geräte, die das eigentlich nicht unterstützen.

Am 19. Oktober 2025 folgte Version 10.11 mit einem kompletten Umbau der Datenbank-Technik (EF Core) und einem eingebauten Backup-System. Wer eine sehr große Bibliothek mit über 10.000 Titeln hat, sollte bei diesem Update etwas Geduld mitbringen: Die Migration der Datenbank kann laut Projekt 5 bis 15 Minuten dauern.

Ein besonders relevanter Schritt für den Wohnzimmer-Einsatz: Im Februar 2026 veröffentlichte Jellyfin erstmals offizielle Apps für Samsung-Fernseher (Tizen) und LG-Fernseher (webOS). Vorher musste man solche Clients umständlich per Sideloading installieren, also inoffiziell auf das Gerät bringen. Die Samsung-App läuft dabei nur auf Modellen ab Baujahr 2021. Für unterwegs oder auf iPhone/iPad/Apple TV gibt es zudem den offiziellen, kostenlosen Client Swiftfin sowie eine offizielle Android-App; wer mag, kann auch zu beliebten Community-Clients wie Findroid oder Streamyfin greifen.

Plex: Was sich zuletzt getan hat – und was Nutzer stört

Neben den Preiserhöhungen gab es bei Plex noch eine Änderung, die viele Nutzer überrascht hat: Seit dem 29. April 2025 ist auch der Fernzugriff, also das Streamen von unterwegs außerhalb des Heimnetzes, nicht mehr automatisch kostenlos. Nötig ist entweder ein Plex Pass oder der neue, günstigere „Remote Watch Pass“ für 1,99 US-Dollar im Monat beziehungsweise 19,99 US-Dollar im Jahr. Durchgesetzt wurde diese Regel allerdings erst ab November 2025, und zunächst nur bei der Roku-App. Eine Ausweitung auf Android TV, Apple TV, Fire TV und Drittanbieter-Apps ist für 2026 angekündigt, der genaue Stand der Umsetzung ist aber nicht vollständig belegt.

Dazu kommt ein Vertrauensthema: Im September 2025 musste Plex erneut alle Nutzer zu einem Passwort-Reset auffordern, nachdem es zu einer Datenpanne gekommen war – nach einem größeren Vorfall bereits im August 2022. Im Juni 2024 hatte Plex zudem versucht, die Möglichkeit zum Opt-out (also zum aktiven Widerspruch) aus der Datensammlung per Änderung der Datenschutzrichtlinie zu streichen, ruderte nach Protesten aus der Nutzerschaft aber zurück. Plex-CEO Keith Valory betonte dabei, kein Interesse an den Bibliotheksinhalten der Nutzer zu haben.

Auf der Habenseite steht bei Plex ein Vorteil, den Jellyfin nicht bietet: ein kostenloser, werbefinanzierter Streaming-Katalog namens „Watch Free“ beziehungsweise Plex Discover, mit über 50.000 Filmen und Serien auf Abruf sowie mehr als 600 Live-TV-Kanälen, unter anderem mit Inhalten von A24, Warner Bros., MGM, Lionsgate, Paramount und AMC. Wer diesen Zusatzkatalog neben der eigenen Sammlung schätzt, bekommt das bei Jellyfin schlicht nicht.

Was heißt das für die eigene NAS oder den eigenen Server?

Ein praktischer Nebenschauplatz: Synology hat 2024 die hauseigene Medienserver-App „Video Station“ komplett eingestellt, ohne Ersatz, und auch das einfache DLNA-Paket „Media Server“ verlor 2024 die Unterstützung für die Codecs HEVC und VC-1. Das offizielle Plex-Paket bleibt für Synologys Betriebssystem DSM 7 zwar weiterhin verfügbar, wer aber ohnehin schon nach Alternativen zur Bordsoftware sucht, landet fast automatisch bei Plex oder Jellyfin.

Für den Eigenbetrieb auf eigener Hardware lässt sich die Entscheidung damit relativ klar zuspitzen: Wer keine laufenden Kosten will, volle Kontrolle über die eigenen Daten schätzt und Hardware-Transcoding kostenlos nutzen möchte, ist bei Jellyfin inzwischen sehr gut aufgehoben, gerade seit die großen TV-Plattformen offiziell unterstützt werden. Wer dagegen den zusätzlichen kostenlosen Streaming-Katalog von Plex nutzen will, mit dem gewohnten Interface arbeitet oder bereits Plex-Pass-Lifetime-Kunde ist, hat weiterhin gute Gründe zu bleiben – sollte die gestiegenen und weiter steigenden Kosten für neue Käufe aber im Blick behalten.

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