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- Der Raspberry Pi 5 kann dank seines PCIe-Anschlusses erstmals eine schnelle NVMe-SSD anbinden statt nur eine langsame SD-Karte – das macht ihn erst wirklich zum Homeserver-Kandidaten.
- Für Pi-hole, einen VPN-Zugang, eine Smart-Home-Zentrale mit Home Assistant oder einen einfachen NAS (Network Attached Storage, also einen Speicher, der am Netzwerk hängt) mit Samba reicht er gut aus – idealerweise mit 8 GB Arbeitsspeicher.
- Bei vielen gleichzeitig laufenden Diensten, Video-Transcoding oder echter Virtualisierung mit mehreren virtuellen Maschinen stößt er an seine Grenzen.
- Seit Ende 2025 sind die Preise wegen einer weltweiten Speicherknappheit mehrfach gestiegen – viele ältere Preisangaben im Netz stimmen inzwischen nicht mehr.
Der Raspberry Pi 5 ist seit Oktober 2023 auf dem Markt. Zu Recht? Ein Raspberry Pi 5 Homeserver kann tatsächlich einiges leisten – aber eben nicht alles, und seit dem Launch hat sich vor allem beim Preis viel getan. Hier ein nüchterner Blick auf Hardware, Grenzen und das, was sich in den letzten zwei Jahren wirklich verändert hat.
Die Hardware im Überblick
Herzstück ist der Broadcom-Chip BCM2712, ein sogenannter SoC (System on a Chip, also ein Chip, der Prozessor, Grafikeinheit und weitere Bausteine in einem vereint) mit vier Cortex-A76-Rechenkernen bei 2,4 GHz und einer VideoCore-VII-Grafikeinheit. Dazu kommt gegenüber dem Vorgänger echtes Gigabit-Ethernet – beim Pi 4 lief das Netzwerk noch über eine USB-Bandbreite mit, jetzt hat es eine eigene Anbindung. An Anschlüssen bietet der Pi 5 zwei USB-3.0- und zwei USB-2.0-Ports sowie zwei HDMI-Ausgänge für gleichzeitig zwei 4K-Bildschirme mit 60 Hz.
Der Arbeitsspeicher (LPDDR4X) ist fest verlötet und in den Stufen 2, 4, 8 und 16 GB erhältlich – nachrüsten lässt er sich nicht, die Wahl beim Kauf ist also endgültig. Stromversorgung erfolgt offiziell über USB-C mit Power Delivery (PD, eine Aushandlung zwischen Netzteil und Gerät, wie viel Leistung fließen darf) und 27 Watt; ohne passendes PD-Netzteil laufen angeschlossene USB-Geräte nur mit gedrosselter Leistung. Für den Dauerbetrieb als Server empfiehlt Raspberry Pi selbst den aktiven Lüfter („Active Cooler“), weil der Pi 5 unter Last spürbar wärmer wird als sein Vorgänger.
PCIe und NVMe-SSD: der eigentliche Homeserver-Sprung
Der wichtigste Unterschied zum Pi 4 für Server-Zwecke ist ein PCIe-Anschluss (PCI Express, die Schnittstelle, über die auch in normalen PCs Grafikkarten und schnelle SSDs angebunden werden). Damit lässt sich erstmals eine NVMe-SSD direkt anschließen – offiziell über das eigene M.2-HAT+-Modul von Raspberry Pi, das die kompakten Formfaktoren 2230 und 2242 unterstützt und bis zu 3 Ampere liefert. Das klingt technisch, bedeutet für die Praxis vor allem: Der Server kann von einer SSD statt einer SD-Karte starten, was deutlich zuverlässiger ist und spürbar schnellere Lese- und Schreibzugriffe erlaubt.
Offiziell zertifiziert ist dabei nur die PCIe-2.0-Geschwindigkeit, effektiv rund 500 MB/s. In Foren kursiert seit Längerem ein Trick, mit dem sich per Konfigurations-Einstellung das schnellere PCIe-Gen-3-Tempo erzwingen lässt – das funktioniert bei den meisten SSDs zwar stabil, ist aber weiterhin nicht offiziell unterstützt und bleibt Bastel-Status. Daran hat sich in den letzten zwei Jahren nichts geändert, auch wenn viele Anleitungen das „geht doch“ verbreiten, ohne den fehlenden Zertifizierungsstatus zu erwähnen.
db-tronic Raspberry Pi 5 8GB PCIe M.2 NVMe Set
Komplettpaket mit 8 GB RAM, NVMe-SSD-Board, Metallgehäuse und Active Cooler – die Menge Leistung, die für Pi-hole, Home Assistant und Co. in der Praxis meist ausreicht.
Der Preisschock 2026 – was sich wirklich geändert hat
Was sich seit dem Marktstart am spürbarsten verändert hat, ist nicht die Technik, sondern der Preis. Eine globale Knappheit bei DRAM- und LPDDR4-Speicherchips – befeuert durch die Nachfrage von KI-Rechenzentren – hat Raspberry Pi Ltd. seit Ende 2025 zu mehreren Preiserhöhungen gezwungen. Laut Hersteller soll sich der Preis für LPDDR4-Speicher binnen eines Jahres etwa versiebenfacht haben.
Konkret: Die 16-GB-Variante des Pi 5 kostete Anfang 2025 noch 120 US-Dollar, Anfang 2026 bereits 205 US-Dollar. Für April 2026 waren weitere Erhöhungen angekündigt – 100 US-Dollar mehr für die 16-GB-Variante, 50 US-Dollar für die 8-GB-Version, 25 US-Dollar für 4 GB und 150 US-Dollar für das Pi-500+-Kit, im Hersteller-Shop teils über 300 US-Dollar. Betroffen sind alle Pi-4- und Pi-5-Modelle sowie die Compute-Module-Varianten mit mindestens 2 GB RAM; ältere Modelle wie Pi Zero, Pi 1/3 oder Pi 400 nutzen einen anderen Speichertyp und blieben von den Erhöhungen verschont. Raspberry Pi selbst bezeichnet die Erhöhung als temporär und an die Marktlage gekoppelt – ein konkretes Ende ist aber nicht in Sicht.
Wichtig für die Kaufentscheidung: Viele ältere Artikel im Netz zitieren noch die ursprünglichen Launchpreise von 2023 (60/80/120 US-Dollar für 4/8/16 GB) – die gelten seit Anfang 2026 nicht mehr. Vor dem Kauf lohnt sich also ein Blick auf aktuelle Preise statt auf alte Testberichte.
Pi 5 gegen Mini-PC: Wann lohnt sich ein Intel N100 mehr?
Der Pi 5 wird in vielen Vergleichen noch immer als generell überlegene Homeserver-Wahl dargestellt. Aktuellere Tests aus 2025/2026 zeichnen ein differenzierteres Bild: Kleine Mini-PCs mit Intel-N100-Prozessor sind in mehreren Punkten inzwischen oft die bessere Wahl, gerade seit die Pi-Preise gestiegen sind.
| Kriterium | Raspberry Pi 5 | Intel-N100-Mini-PC |
|---|---|---|
| Rohleistung (Passmark) | Basis | ca. 20 % schneller |
| Rohleistung (Geekbench 6) | Basis | ca. 30–45 % schneller |
| Hardware-Videotranscoding | fehlt vollständig | vorhanden (QuickSync) |
| RAM-Erweiterbarkeit | fest verlötet, kein Nachrüsten | per SO-DIMM bis 32 GB+ erweiterbar |
| Stromverbrauch Leerlauf | ca. 3 Watt | ca. 6 Watt |
| Stromverbrauch unter Last | ca. 6–8 Watt | ca. 12–15 Watt |
Der Stromverbrauchsunterschied ist real, macht über ein Jahr Dauerbetrieb aber nur wenige Euro aus – als Kaufargument für den Pi 5 zieht das inzwischen kaum noch. Vor allem beim fehlenden Hardware-Videotranscoding (also der Möglichkeit, Videos direkt über einen Chip statt über den Hauptprozessor umzurechnen) und bei der Preis-Leistung hat der N100 gegenüber dem teurer gewordenen Pi 5 aufgeholt.
Wofür der Pi 5 als Homeserver reicht – und wo nicht
Aus aktuellen Erfahrungsberichten lässt sich eine recht klare Grenze ziehen. Gut geeignet ist der Pi 5 (idealerweise mit 8 GB RAM) für:
- einen DNS-Sinkhole wie Pi-hole, der Werbe- und Tracking-Anfragen im Heimnetz blockiert
- einen VPN-Zugang mit WireGuard
- eine Smart-Home-Zentrale mit Home Assistant
- eine kleine private Cloud mit Nextcloud
- einen einfachen NAS mit Samba-Dateifreigabe
An Grenzen stößt der Pi 5, sobald mehrere Docker-Container (kapselte, leichtgewichtige Programm-Umgebungen) gleichzeitig laufen – etwa Node-RED, InfluxDB, Grafana, Homebridge, Mosquitto und Pi-hole zusammen. Auch wenn mehrere Nutzer gleichzeitig auf einen Medienserver wie Plex oder Jellyfin zugreifen und dabei Live-Transcoding nötig wird, gerät er an CPU-Grenzen – dem Pi 5 fehlt schlicht ein Hardware-Encoder dafür. Gleiches gilt für echte Virtualisierung, etwa mehrere parallele virtuelle Maschinen im Stil von Proxmox. In all diesen Fällen raten aktuelle Erfahrungsberichte eher zu einem N100-Mini-PC oder größerer Hardware.
Compute Module 5: die Profi-Variante für feste Einbauten
Wer den Pi 5 als Basis für ein dauerhaftes, fest verbautes Server-Projekt nutzen will – etwa mit einer eigenen Trägerplatine mit SATA-Anschlüssen oder mehreren NVMe-Slots –, findet mit dem Compute Module 5 (CM5) inzwischen eine reguläre Alternative im Handel, ab 45 US-Dollar für die Basisvariante. Laut Hersteller wird das CM5 mindestens bis Januar 2036 produziert, was Langzeitprojekte planbarer macht als beim Consumer-Board. Im August 2026 kam zusätzlich eine offizielle „Programming Jig“ für 600 US-Dollar heraus, gedacht für die Serienfertigung durch Hersteller – für Privatanwender ohne Belang, aber ein Zeichen dafür, wie ausgereift die CM5-Plattform inzwischen ist.
Ausblick: Kommt bald ein Raspberry Pi 6?
Wer jetzt zögert, weil bald ein Nachfolger kommen könnte: Laut Eben Upton, Gründer von Raspberry Pi, ist in einem Reddit-AMA im Mai 2026 frühestens Anfang 2028 mit einem Pi 6 zu rechnen – passend zum bisherigen Produktzyklus von etwa 4 bis 4,5 Jahren. Kursierende Gerüchte sprechen von mehr Speicherbandbreite durch LPDDR5, möglicherweise integriertem NVMe/M.2 ohne separaten HAT sowie schnellerem WLAN und Ethernet, aber ohne NPU (eine spezialisierte Recheneinheit für KI-Aufgaben). Das ist bislang reine Spekulation und sollte auch so behandelt werden.
Zur Verfügbarkeit im Handel lässt sich aus aktuellen Quellen keine belastbare Aussage treffen – die gefundenen Berichte zu Lieferengpässen beziehen sich überwiegend noch auf die Chipkrise 2021–2023. Vorsichtig lässt sich sagen: Die Preise steigen, die Stückzahlen scheinen laut Herstellerangaben (rund 70.000 Einheiten pro Woche) aber stabil zu bleiben.